Freitag, 17. September 2010

Varanasi und Agra

Hallo liebe Leser,

Fotos folgen wieder spaeter, der Rechner hier ist schrecklich!

Wie bereits im letzten Beitrag angekuendigt, war das naechste Ziel meiner Reise Varanasi, das Herz des Hindu-Universums, eine der aeltesten Staedte der Welt, und laut Reisefuehrer eine der irrationalsten. Hindus reisen zum Ganges, um dort zu sterben und ihre Leiche verbrennen zu lassen, und wirklich war eine meine ersten Erfahrungen in Varanasi der staendige Gestank nach Scheiterhaufen und die durch die Gassen getragenen Leichen...
Varanasi ist eine Touristen- und Pilgerstadt, was die aufdringliche Art der Annaeherung nur noch schlimmer machte. Nach einer allerdings recht positiven Fahrt mit der Fahrradrikscha gings zum "Hotel", wo ich (abgesehen von dem Gecko ueber meinem Bett und den Wanzen) der einzige Gast war. Die Stadt besteht aus unheimlich engen Gassen, die sich entlang des Ganges von Ghat zu Ghat schlaengeln ("Ghats" sind sowas wie Bootsanlegestellen). Diese Ghats waren einst reich geschmueckt und sind das Zentrum des spirituellen Lebens. Erwachsene, Kinder, Kuehe baden aus verschiedensten Gruenden im Ganges, Frauen waschen die Waesche, Priester machen irgendwelche rituellen Sachen, Leichen werden verbrannt. Pures Chaos, es riecht schrecklich, und eigentlich kann man es nur von einem Boot aus ertragen.
An anderer Stelle wuerde wahrscheinlich jemand schreiben, dass Varanasi aussieht wie eine in die Jahre gekommene Hure mit zu viel Make-Up. Der Vergleich waere verdammt passend; ich hab Bilder aus dem 19. Jahrhundert gesehen, als die Stadt wirklich das spirituelle Zentrum und Indien noch nicht beraubt und verdreckt war: ein wahres Wunder am Ganges. Heute ist die Farbe ab, jeder versucht alles zu verkaufen (auch und vor allem die Priester), und die ueblichen indischen Probleme: Muell, Armut, Muell.

Der Ganges ist trotz allem atemberaubend! Es gibt viele Restaurants auf den Daechern der Stadt, und manche stinken nichtmal nach Scheiterhaufen, sodass man einen grossartigen Blick hat. Der Fluss ist an dieser Stelle eine 1km breite, haesslich braune Suppe, aber von unglaublicher Gewalt, man versteht die Bewunderung der Inder. An einem Abend war ich bei einer Zeremonie zur Huldigung des Flusses, waehrend eines unfassbares Gewitter sich zusammen braute, Blitze ueber dem Ganges, und mitten im Ritual fing der staerkste Regen an, den ich je erlebt hab, die gesamte Stadt wurde innerhalb von Minuten geflutet. Leider konnte ich aufgrund des Regens am naechsten Tag keine Bootstour machen. Generell fahren auf dem Ganges trotz der Breite und Laenge keine Schiffe, ich versuche weiterhin den Grund zu erfahren.

Varanasi war also, alles in allem, sehr enttaeuschend. Ich hab ein paar spannende Menschen getroffen, war bei einem Seidendesigner (so Tuecher und Bettdecken) und hab mich mit dem unterhalten, aber die Stadt zieht einen doch runter, weshalb ich froh war, im immernoch stroemenden Regen nach Agra zu fahren.

Agra ist Standort der groessten Touristenattraktion Indiens: des Taj Mahals. Dementsprechend war der Zug gefuellt mit anderen Reisenden, und seit gestern Abend bin ich zu viert unterwegs: Zwei Argentinier (einer im Rollstuhl) auf Weltreise und ein Maedchen aus England haben sich angeschlossen, und nachdem wir ein Hotel gefunden hatten, ging die Reise durch Agra los. Da das Taj Mahal als Moschee am Freitag geschlossen ist, werden wir es erst morgen aus der Naehe sehen, heute war der Rest von Agra dran, vor allem das nicht weniger beeindruckende Fort. Ob es an der Begleitung lag oder daran, dass Agra im Allgemeinen sauberer und weniger aufdringlich ist, lief der Tag sehr positiv, viel gewandert/gerollt, viel gesehen. Denn trotz allen Reizen der Stadt, das Taj Mahal bleibt omnipraesent: Zuerst haben wir es im Morgenlicht und Nebel gesehen, als wir in die Stadt einfuhren, und bei Sonnenuntergang haben wir es uns vom Fluss aus angeschaut. Morgen bei Sonnenaufgang werden wir hinpilgern und es unter die Luppe nehmen. Nur soviel bis hierhin: Es ist wirklich ein Weltwunder, vor allem morgens war es unfassbar schoen. Vom Dach unseres Hotels aus koennen wir es auch sehen. Ich hoffe nur, es regnet nicht.

Morgen Abend geht's dann weiter nach Westen, nach Ajmer und Pushkar, eines eine muslimische, das andere eine hinduistische Tempelstadt, und danach sind wir auch schon in der Wueste. Die Argentinier fahren leider weiter (Hong Kong und China), die Englaenderin nimmt aber die selbe Route, so dass ich fuer ein paar Tage Begleitung hab, ist auch ganz nett.

So, genug geschrieben fuer heute, hoffe zu Hause geht's allen gut!

Euer Alex

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