Hallo Alle,
leider leider kann ich heute keine Bilder hochladen, obwohl ich es gerne machen wuerde, werd sie aber auf jeden Fall nachliefern!
Das Verlassen von Mumbai brachte mehrere Grossereignisse mit sich: Zum Einen bin ich zum ersten Mal hier Zug gefahren, im Schlafwagen, was unvergleichlich ist. Man liegt mit seinem gesamten Gepaeck auf einer winzigen Pritsche (immer 3 uebereinander), und versucht den Laerm der 100 indischen Kinder auszublenden. Funktionierte allerdings erstaunlich gut. Zum anderen bin ich jetzt endlich im "wahren" Indien angekommen: Hier in Aurangabad, einer haesslichen kleinen Stadt mit viel Staub, gibt es alles was man so erwartet: gemuetliche Kuehe, die auf der Strasse stehen und den Verkehr blockieren (manchmal sind es auch Wasserbueffel), der Staub steht in der Luft wegen der ganzen Autos, Kinder spielen dazwischen, um die Stadt rum sind Felder und Urwaelder...
Am grossartigsten ist allerdings der Verkehr (mal wieder): waehrend in Mumbai einfach sehr sehr viele Fahrzeuge waren, gibt es hier sehr viel weniger davon, aber... genauso viele Menschen wollen transportiert werden. Darum sind Motorraeder auch immer mit mindestens 3 Leuten besetzt, manchmal kommt auch die ganze 4-koepfige Familie mit. Ich bin mit einem Sammeltaxi gefahren, das fuer vielleicht 10 Leute sinnvoll ausgestattet war, aber der Fahren hat sich geweigert loszufahren bevor es nicht voll ist. Und voll hiess: 20. Mindestens. Ich hab einmal durchgezaehlt und bin auf 23 gekommen, und ich konnte nicht sehen wie viele noch an der offenen Hintertuer hingen. War ein grossartiges Spektakel, aber uns kamen andere Taxen entgegen die ein aehnliches Besucherverhaeltnis aufwiesen. Wahrscheinlich gewoehnt man sich recht schnell daran, ist auf jeden Fall umweltschonend.
Von Aurangabad selber, der Stadt in der ich jetzt schlafe, hab ich garnicht viel gesehen, sie dient nur als Aufenthalt, weil hier in der Region mehrere Sehenswuerdigkeiten sind. Zunaechst war ich in Daultabad, das war jahrelang Hauptstadt eines Grossreiches hier, jetzt verlassen und vor allem bekannt wegen seiner uneinnehmbaren Festung. Und die Jungs haben sich wirklich Muehe gegeben: mehrere Mauerringe, flutbare Wassergraeben mit Krokodilen, und die eigentliche Festung steht auf einem 180m hohen Felsen, auf den man nur durch einen voellig dunkelen, mit Fledermaeusen besetzten Tunnel kommt. Und das bei tropischem Wetter! Hab ziemlich geschwitzt, aber der Ausblick war es wert (und wird natuerlich nachgeliefert).
Danach gings weiter zum Weltkulturerbe Ellora, das sind eine grosse Anzahl von Hoehlentempeln aus dem 8.Jh. mit teilweise unfassbaren Statuen. Einer dieser Tempel ist, anstatt irgendwo ein paar Steine aufzuschuetten, einfach als Ganzes aus dem Felsen herausgeschlagen worden, hat 200 Jahre gedauert und sich wirklich gelohnt. Leider war irgendein hinduistischer Feiertag und darum unheimlich voll, was den Spass ein wenig gedrueckt hat. Bin aber viel rumgewandert, langsam werd ich richtig schoen braun.
Was ich wahrscheinlich unter Kulturschock fassen muss, was mir aber sehr auf die Nerven geht, ist das teilweise sehr aufdringliche Verhalten der Inder, vor allem der Jugendlichen (es sind immer Maenner, Frauengruppen gibt es hier sehr selten): Waehrend man in Mumbai wohl an Auslaender gewoehnt ist, fragt mich hier jeder neue Trupp von Halbstarken, ob sie ein Foto mit mir machen koennen. "One photo please". Oder "Photo?". Oder einfach am Arm zerren. Am Anfang war es niedlich, vor allem weil sich viele wirklich freuen, aber inzwischen hat es unangenehme Ausmasse angenommen, und ich sag einfach konsequent Nein, was viele aber zu beleidigen scheint. Viele versuchen auch ein Gespraech anzufangen und mich auszufragen, was in Ordnung waere wenn ich ihre Fragen verstehen wuerde: Das Englisch, zumindest hier in der Provinz, geht meistens ueber "How countries?" oder "What your name?" nicht hinaus, einige fangen dann auf Hindi an zu reden und machen sich darueber lustig, dass ich sie nicht verstehe. Alles in allem fuehlt man sich sehr begafft und bedraengt. Einige bleiben einfach vor mir stehen und starren. Ich hoffe, dass es wieder besser wird, wenn ich in besser erschlossene Gebiete komme, weil es dir den Tag doch ziemlich ruinieren kann.
Alles in allem ist es aber interessant, aus der Stadt raus zu sein, die Landschaft ist atemberaubend, Felder und Waelder ueber eine riesige Ebene verteilt, und dazwischen einzelne Kalksteinberge, die sich aufgetuermt haben. Viele Seen und Fluesse, viele schoene Tiere (nagut, hauptsaechlich Kuehe, aber auch ein paar Affen und Voegel). Leider viel zu viele Menschen und Doerfer und Autos und Muellberge.
Der Blog wird erstmal der letzte fuer ein paar Tage sein, morgen reise ich weiter nach Varanasi, was mit einer 20h-Zugfahrt verbunden ist (ich hoffe das Essen an Bord ist gut und mein Bett ist breiter als das letzte). Varanasi ist am Ganges, und die heiligste Stadt der Hindus: wenn man dort stirbt und am Ganges verbrannt wird, steigen die Chancen, dass man aus dem Kreislauf des Lebens aussteigt. Was zu einem wahnwitzigen One-Way-Tourismus fuehrt, fast wie Holland. Mal sehen was mich dort erwartet, die anderen Reisenden, die ich bisher getroffen habe, waren sehr begeistert.
Hoffe dann kann ich auch die Fotos von Ellora nachliefern!
Bis bald
euer Alex
Sounds awesome, Alex :) Enjoy your twenty hour journey!!
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