Hallo alle zusammen,
nach fast einer Woche, endlich mal wieder Nachricht von mir! Am Besten, ich erzaehle der Reihe nach.
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| Jaisalmer |
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| Jaisalmer, die Goldene Stadt (jedes Haus hat diese Farbe) |

Mein letzter Eintrag schloss mit der Aussicht, in die Wueste zu reiten, und genau das haben wir dann auch gemacht (ausser Catherine und mir waren noch drei spanische Physiotherapeutinnen dabei). Erst gings mit dem Jeep weg von der Stadt, und dann fuer zwei Stunden auf den Kamelen, vier Stunden Pause um der Hitze zu entkommen, dann nochmal zwei Stunden reiten, um dann in aller Ruhe Chai zu kochen und den Sonnenuntergang zu geniessen. Erstmal etwas zu Kamelen: Kamele sind verdammt hoch. Gut 2 Meter. Wenn man keine Reiterfahrung hat, ist das schon viel. Allerdings waren unsere wirklich ruhig, sehr gelassen, wenn auch recht unbequem. In der Wueste zu sein ist schon ein Erlebnis, es ist unheimlich ruhig, nur das Furzen der Kamele, der Wind in den Baeumen, das Zwitschern von Voegeln, Schmetterlinge und Insekten, Antilopen... Moment: Wueste? Anscheinend hatten wir das einmalige Glueck, dass die sowieso recht lebendige Thar-Wueste im Monat zuvor heftigen Regen abbekommen hat, sodass wir nicht wirklich in einer Wueste waren, sondern in einer doch recht belebten Savanne.
War aber nicht schlimm, geschlafen haben wir auf der einzigen richtigen Duene, bei perfektem Vollmond, sodass man bis zum Horizont gucken konnte, wunderschoen. Und es war wirklich ruhig, die Kameltreiber haben ein bisschen Musik gemacht, es gab sehr leckeren Tee, also alles perfekt. Sonnenaufgang hatten wir nicht, weil zu viele Wolken waren ("Wueste"...), aber bereits nach kurzer Zeit wurde es wieder brennend heiss, und auch dieser Tag wurde hauptsaechlich im Schatten eines Baumes verbracht, wo uns unser Kameltreiber stolz von seinen (fuer uns) etwas schaurigen Sexabenteuern mit westlichen Touristinnen erzaehlte. Allerdings haben wir auch rausgefunden, dass er verheiratet wird, sobald er 25 wird, mit einer 15-16jaehrigen, die sein Vater fuer ihn aussucht (er bekommt ein Foto, darf ja oder nein sagen). Das Maedchen wird nicht gefragt... Aber er findet die Tradition gut, er wird es mit seinen Kindern auch so machen, und solange er westliche Touristinnen kriegt...Im Anschluss gings dann weiter, noch 2h auf den Kamelen, und am Ende des zweiten Tages waren wir wieder im Hotel. Alles in allem eine sehr schoene Erfahrung, Kamelreiten selber wird wohl nie mein Hobby, aber so weit weg von allem zu sein hat schon seine Reize, vor allem in diesem ueberfuellten Land.
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| In der "Wueste" |
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| In der Wueste |
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| Die Wueste. Unendliche Weiten...von Bueschen |
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| Kamel mit Hut |
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| Sonnenuntergang in der Wueste |
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| Unsere Kameltruppe |
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| Cate und ich auf unseren stolzen Roessern |
So, nachdem wir das geschafft hatten, ging es mit dem Zug in 19h nach Delhi. Weil ich da sowieso nochmal hin muss, um meinen Flug zu kriegen und noch nicht so viel gesehen hab, werd ich spaeter von Delhi berichten. Wichtigste Veraenderung war, dass Catherine, nach 10 Tagen gemeinsamer Reise, in den Sueden aufgebrochen ist, waehrend ich weiter nach Norden reise. Allerdings hat sie mir was hinterlassen: Urspruenglich wollte sie mit einem Freund durch Indien reisen, der allerdings mit Dengue-Fieber in Bangkok lag und deshalb nicht gekommen ist. Wir haben ihn in Delhi getroffen, und er will auch ins Himalaya, so dass ich weiterhin britisch unterwegs bin, nur das Geschlecht und der Name sind anders (er heisst Andy). Wir wollten in Delhi auch ein bisschen feiern gehen, leider kannten auch die Einheimischen keinen guten Ort dafuer, aber wenigstens ist der Whiskey hier billig. Indien ist definitiv kein Partyland, Delhi hat 14Mio Einwohner, und um Mitternacht werden die Buergersteige hochgeklappt.
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| Catherine und Andy, meine englischen Reisepartner |
Von Delhi gings dann gestern nach Amritsar, wo ich auch jetzt gerade sitze. Amritsar ist vor allem bekannt, weil es den Goldenen Tempel beherbergt, das wichtigste Heiligtum der Sikhs (witzige Religion, einfach mal auf Wikipedia nachgucken, dass sind die mit den Turbanen). Der Tempel ist unfassbar! Umgeben von einem riesigen Wasserbecken, ist er zwar sehr klein, allerdings ist er sowohl innen als auch aussen fast vollstaendig mit Goldplatten verkleidet (insgesamt 750kg). Ich hoffe die Fotos sind so eindrucksvoll wie der Tempel selber, kommt zwar nicht ganz an das Taj Mahal ran, aber definitiv einer der Hoehepunkte der Reise. Danach sind wir dann noch ein wenig durch die Stadt gelaufen, hat eine recht traurige Geschichte, die Englaender haben hier Anfang des 20.Jahrhunderts ein riesiges Massaker veranstaltet. Heute ist die Stadt definitiv eine der attraktivsten in Indien, zumindest von denen die ich gesehen hab, Sikhs sind scheinbar besser als Hindus im Organisieren und Geld machen, ist zwar immer noch sehr chaotisch, aber ein bisschen weniger abstossend. Haben auch den wahrscheinlich laecherlichsten Tempel der Welt gefunden: Hindu-Frauen kommen her, wenn sie keine Kinder bekommen (was scheinbar nicht so oft passiert), der Tempel ist gefuellt mit allem moeglichen bunten Ramsch, und man muss ihn in einer bestimmten Richtung durchlaufen, vorbei an Plastegoettern (und Kuehen), durch einen 50cm hohen Tunnel, ein Wasserbecken... und alles voll mit Spiegeln, sieht eher aus wie ein Spielzeugladen als alles andere. Und ueberall fleissig betende Hindus, ich glaub als Priester in diesem Land hat man ein wirklich einfaches Leben, es ist unmoeglich etwas falsch zu machen.
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| Der Goldene Tempel von Amritsar |
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| Man muss in jedem Tempel hier entweder die Schuhe ausziehen oder seine Haare bedecken oder beides. |
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| Das Dach |

Heute abend gehts weiter nach Hardiwar, dass ist die Stadt, in der der Ganges aus dem Himalaya kommt, und aus Zeitmangel werden wir dann so schnell wie moeglich direkt ins Gebirge, um ein paar Tage zu wandern und wenns klappt, eine Tigersafari zu machen. Der Ort, zu dem wir wollen, Joshimath oder so, liegt auf jeden Fall hoeher als alle Berge in Oesterreich, man darf gespannt sein! Ausserdem hoffen wir, dass dort weniger Hippies sind. Hippies sind fuer uns jene Reisenden (meist aus Westeuropa) die hier rumlaufen auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung, gekleidet wie Pseudo-Inder (jedenfalls nicht wie echte Inder), mit Dreadlocks, indischen Schriftzeichen als Tattoos und meistens ziemlich dem Haschisch verfallen. Meistens bilden sie grosse Gruppen in den paar Orten, in denen Haschisch aus religioesen Gruenden erlaubt ist, oder in den Hindu-Pilgerzentren, und erzaehlen hinterher in Europa wie toll und bewusstseinserweiternd es doch ist Reiki und Yoga zu lernen und wie toll Indien ist, aber dass hinter dem 3-Sterne-Yoga-Zentrum die nicht-alphabetisierten Kinder in ihren eigenen Exkrementen verhungern entgeht ihnen meist. Man schaemt sich immer ein bisschen fuer sie wenn man sie sieht. Aber wir lachen auch viel ueber sie. Und da man mit ziemlicher Sicherheit sagen kann wo sie sich sammeln, gehen wir ihnen meist aus dem Weg. Darum, ab in die Berge, ein bisschen Einsamkeit und kuehle Bergluft schnuppern.
Liebe Gruesse aus Indien!
Alex