Sonntag, 12. September 2010

Ellora Hoehlen und Daultabad

Hallo Alle,

leider leider kann ich heute keine Bilder hochladen, obwohl ich es gerne machen wuerde, werd sie aber auf jeden Fall nachliefern!

Das Verlassen von Mumbai brachte mehrere Grossereignisse mit sich: Zum Einen bin ich zum ersten Mal hier Zug gefahren, im Schlafwagen, was unvergleichlich ist. Man liegt mit seinem gesamten Gepaeck auf einer winzigen Pritsche (immer 3 uebereinander), und versucht den Laerm der 100 indischen Kinder auszublenden. Funktionierte allerdings erstaunlich gut. Zum anderen bin ich jetzt endlich im "wahren" Indien angekommen: Hier in Aurangabad, einer haesslichen kleinen Stadt mit viel Staub, gibt es alles was man so erwartet: gemuetliche Kuehe, die auf der Strasse stehen und den Verkehr blockieren (manchmal sind es auch Wasserbueffel), der Staub steht in der Luft wegen der ganzen Autos, Kinder spielen dazwischen, um die Stadt rum sind Felder und Urwaelder...
Am grossartigsten ist allerdings der Verkehr (mal wieder): waehrend in Mumbai einfach sehr sehr viele Fahrzeuge waren, gibt es hier sehr viel weniger davon, aber... genauso viele Menschen wollen transportiert werden. Darum sind Motorraeder auch immer mit mindestens 3 Leuten besetzt, manchmal kommt auch die ganze 4-koepfige Familie mit. Ich bin mit einem Sammeltaxi gefahren, das fuer vielleicht 10 Leute sinnvoll ausgestattet war, aber der Fahren hat sich geweigert loszufahren bevor es nicht voll ist. Und voll hiess: 20. Mindestens. Ich hab einmal durchgezaehlt und bin auf 23 gekommen, und ich konnte nicht sehen wie viele noch an der offenen Hintertuer hingen. War ein grossartiges Spektakel, aber uns kamen andere Taxen entgegen die ein aehnliches Besucherverhaeltnis aufwiesen. Wahrscheinlich gewoehnt man sich recht schnell daran, ist auf jeden Fall umweltschonend.

Von Aurangabad selber, der Stadt in der ich jetzt schlafe, hab ich garnicht viel gesehen, sie dient nur als Aufenthalt, weil hier in der Region mehrere Sehenswuerdigkeiten sind. Zunaechst war ich in Daultabad, das war jahrelang Hauptstadt eines Grossreiches hier, jetzt verlassen und vor allem bekannt wegen seiner uneinnehmbaren Festung. Und die Jungs haben sich wirklich Muehe gegeben: mehrere Mauerringe, flutbare Wassergraeben mit Krokodilen, und die eigentliche Festung steht auf einem 180m hohen Felsen, auf den man nur durch einen voellig dunkelen, mit Fledermaeusen besetzten Tunnel kommt. Und das bei tropischem Wetter! Hab ziemlich geschwitzt, aber der Ausblick war es wert (und wird natuerlich nachgeliefert).

Danach gings weiter zum Weltkulturerbe Ellora, das sind eine grosse Anzahl von Hoehlentempeln aus dem 8.Jh. mit teilweise unfassbaren Statuen. Einer dieser Tempel ist, anstatt irgendwo ein paar Steine aufzuschuetten, einfach als Ganzes aus dem Felsen herausgeschlagen worden, hat 200 Jahre gedauert und sich wirklich gelohnt. Leider war irgendein hinduistischer Feiertag und darum unheimlich voll, was den Spass ein wenig gedrueckt hat. Bin aber viel rumgewandert, langsam werd ich richtig schoen braun.

Was ich wahrscheinlich unter Kulturschock fassen muss, was mir aber sehr auf die Nerven geht, ist das teilweise sehr aufdringliche Verhalten der Inder, vor allem der Jugendlichen (es sind immer Maenner, Frauengruppen gibt es hier sehr selten): Waehrend man in Mumbai wohl an Auslaender gewoehnt ist, fragt mich hier jeder neue Trupp von Halbstarken, ob sie ein Foto mit mir machen koennen. "One photo please". Oder "Photo?". Oder einfach am Arm zerren. Am Anfang war es niedlich, vor allem weil sich viele wirklich freuen, aber inzwischen hat es unangenehme Ausmasse angenommen, und ich sag einfach konsequent Nein, was viele aber zu beleidigen scheint. Viele versuchen auch ein Gespraech anzufangen und mich auszufragen, was in Ordnung waere wenn ich ihre Fragen verstehen wuerde: Das Englisch, zumindest hier in der Provinz, geht meistens ueber "How countries?" oder "What your name?" nicht hinaus, einige fangen dann auf Hindi an zu reden und machen sich darueber lustig, dass ich sie nicht verstehe. Alles in allem fuehlt man sich sehr begafft und bedraengt. Einige bleiben einfach vor mir stehen und starren. Ich hoffe, dass es wieder besser wird, wenn ich in besser erschlossene Gebiete komme, weil es dir den Tag doch ziemlich ruinieren kann.

Alles in allem ist es aber interessant, aus der Stadt raus zu sein, die Landschaft ist atemberaubend, Felder und Waelder ueber eine riesige Ebene verteilt, und dazwischen einzelne Kalksteinberge, die sich aufgetuermt haben. Viele Seen und Fluesse, viele schoene Tiere (nagut, hauptsaechlich Kuehe, aber auch ein paar Affen und Voegel). Leider viel zu viele Menschen und Doerfer und Autos und Muellberge.

Der Blog wird erstmal der letzte fuer ein paar Tage sein, morgen reise ich weiter nach Varanasi, was mit einer 20h-Zugfahrt verbunden ist (ich hoffe das Essen an Bord ist gut und mein Bett ist breiter als das letzte). Varanasi ist am Ganges, und die heiligste Stadt der Hindus: wenn man dort stirbt und am Ganges verbrannt wird, steigen die Chancen, dass man aus dem Kreislauf des Lebens aussteigt. Was zu einem wahnwitzigen One-Way-Tourismus fuehrt, fast wie Holland. Mal sehen was mich dort erwartet, die anderen Reisenden, die ich bisher getroffen habe, waren sehr begeistert.

Hoffe dann kann ich auch die Fotos von Ellora nachliefern!

Bis bald
euer Alex

Freitag, 10. September 2010

Neues aus Mumbai

Hallo ihr Daheimgebliebenen,

nachdem ich es die letzten Tage nicht geschafft habe zu schreiben, weil das Internet in dem Cafe meines Vertrauens zu langsam war, hab ich jetzt durch den Tipp anderer Touristen ein besseres Internetcafe gefunden, so dass ich ganz ausfuehrlich ueber die letzten Tage berichten kann.

Zunaechst kann ich mit stolz behaupten herausgefunden zu haben, wie das Verkehrssystem in Indien funktioniert: Die Inder muessen im Laufe der Jahrhunderte sowas wie Echolot entwickelt haben. Wie Fledermaeuse. Bevor man in eine Strasse reinfaehrt, oder die Spur wechselt, oder bei Rot ueber eine Ampel faehrt, hupt man. Wenn kein Hupen zurueck kommt, faehrt man einfach ungebremst weiter. Funktioniert scheinbar ganz gut. Noch abenteuerlicher als der Autoverkehr scheinen allerdings die Zuege zu sein: Die innerstaedtische Bahn hat keine Tueren, was die Einheimischen gnadenlos dazu nutzen, sich aus der Tuer zu haengen. Aufs Dach darf man nicht mehr, aber ich glaube zu Stosszeiten wird auch das noch gemacht.

Nachdem ich meinen letzten Eintrage geschrieben habe, war ich auf einer Insel ausserhalb Mumbais, Elephanta Island (leider keine echten Elefanten da...), wo es ein paar Hoehlentempel gibt. Leider hat es die ganze Zeit geregnet, was in den Hoehlen nicht so schlimm war, aber ich bin dann noch ein wenig geklettert um die Insel zu erkunden, da war es dann doch, trotz gemietetem Regenschirm, ein wenig ungemuetlich. Ausserdem beherbegt die Insel ein Kolonie von Makaken, die die Einheimischen versuchen zu vertreiben, aber ich hatte endlich mal die Chance echte Affen zu sehen.


Bahnhof von Mumbai

 

Gestern bin ich dann durch die Stadt gewandert, vorbei an Tempeln (war gestern in den Gotteshaeusern von 4 Religionen, macht mich das heilig?), Hochhaeusern (angeblich die hoechste Miete der Welt), Slums (es riecht garnicht so schlimm, aber dreckig ist es trotzdem)... Die Stadt ist wirklich enorm vielfaeltig, vor allem weil alles ganz bunt durcheinander gewuerfelt ist: so haben die meisten Wolkenkratzer eigentlich nur einen perfekten Blick auf die Armenviertel, nicht aufs Meer. Allerdings bin ich nicht bis zu den wirklich schlimmen Slums vorgedrungen, und werde das auch nicht machen, ist mir zu gefaehrlich.

Slums mit Meerblick...
Gateway of India und
Taj Mahal Palace (Hotel)












Heute scheint endlich zum ersten Mal die Sonne! Bin also wieder rumgelaufen, hab alles nochmal im Sonnenschein fotografiert (bei den meisten der Kolonialzeitbauten ist Sonne auch wirklich noetig, damit sie schoen aussehen),und bin jetzt dabei meine weitere Reise zu planen. Da der Plan, den ich zu Hause gemacht habe, mich nur fuer 2 Wochen beschaeftigen wuerde, aber nicht fuer die 5 die ich hier bin, wird meine Tour mich in der naechsten Woche ueber verschiedene Pilgerstaedte in die Thar-Wueste fuehren (Kamel-Trip geplant), und von da aus werd ich mich in Richtung Himalaya begeben, mal sehen wie weit ich komme und das Wetter mitspielt. Fahrten zu planen ist schon ein kleines Meisterstueck hier, hab mir aber Tipps geholt und bin ganz zuversichtlich das alles klappen wird. Ich verlasse Mumbai morgen und fahren weiter nach Aurangabad, weiter im Zentrum des Landes, mal sehen was das fuer mich bereit haelt.

Bis zum naechsten Eintrag
Euer Alex

Mumbai von oben bei schlechtem Wetter

Die groesste und aelteste Waschmaschine der Welt: Tausende
Waescher waschen und klopfen die Waesche der ganzen Stadt

Dienstag, 7. September 2010

Reise und 1. Tag

Hallo liebe Leser,

nach langer Ankuendigung, hier letztendlich mein Blog, erstmals verfasst in einem Internetcafe in Mumbai. Fotos folgen, sobald ich irgendwann einen Ort mit einer halbwegs stabilen Verbindung finde.

Nachdem ich vorgestern aus London abgereist bin (vorher noch 3h Power-Sightseeing) und 9h im Flugzeug damit rumgebracht habe, Woody-Allen-Filme zu gucken (konnte zwar nicht schlafen, hab dafuer aber einen phaenomenalen Sonnenaufgang erlebt), kam ich dann irgendwann in Mumbai an. Erste Amtshandlung: sich von einem Taxifahrer-Betrueger-Ring verarschen lassen. Zum vierfachen Preis gings dann durch die Stadt in Richtung Hotel. Und was fuer eine Stadt: Mumbai ist riesig, laut und einfach nur sehr sehr dreckig. Der Teil, in dem ich jetzt bin, ist annehmbar und genuegt auch westlichen Standards (Toiletten mal abgesehen), aber der Norden der Stadt besteht nur aus Slums, und schon das Vorbeifahren laesst einem einen Schauer ueber den Ruecken laufen. Insgesamt finde ich es aber bisher erstaunlich unspektakulaer, fast alle Sehenswuerdigkeiten wurden von den Englaendern waehrend der Kolonialzeit errichtet, und man fuehlt sich stark an London erinnert. Werde jetzt, um dem ganzen zu entrinnen, mal zu einer hinduistischen Tempelinsel fahren. Ich denke jedoch, dass Mumbai die verwestlichste Stadt Indien ist und dass ich in anderen Staedten mehr Glueck habe.

Drei Dinge machen das Ganze trotzdem zu einem Abenteuer: Das Verhandeln, das Wetter und der Verkehr. Einkaufen gehen ist ein Graus: man wird zu jedem Stand gewunken, auch wenn er die selben Klamotten verkauft wie seine beiden Vorgaenger, an denen man mit Muehe vorbei kam. Und auch wenn ich mich inzwischen beim Feilschen ein wenig besser anstelle (habe gestern den ganzen Tag geuebt), braucht man doch sehr lange bevor man die Tricks raus hat. Zum Glueck st es aber so oder so meist um Laengen billiger als in Europa.
Dann der Monsun: Monsun heisst es ist immer bedeckt (ich komm mir vor als waere ich immernoch in London), die Luftfeuchtigkeit ist enorm, und ab und zu  gibt es ganz ploetzlich einen Regenguss von unvorstellbaren Ausmassen. Hab mir gestern die Dusche gespart und mich 5min vollregnen lassen, die Wasserqualitaet ist die selbe (auch wenn mein Hotel selbst nach europaeischen Massstaeben gut ist!). Die Regenzeit fuehrt auch dazu, dass keinerlei Touristen hier sind: ausser in meinem kleinen Hotel habe ich noch kaum jemanden aus Europa gesehen
Am aufregendsten ist allerdings der Strassenverkehr: Schon auf dem Weg vom Flughafen war mir nicht klar, wie der Taxifahrer es geschafft hat niemanden zu rammen, und wenn man dann aktiv als Fussgaenger teilnimmt, wird es noch verwirrender. Auch wenn die Stadt weniger voll scheint als die Einwohnerzahl es vermuten laesst (16mio.), sind doch Hunderttausende von Autos gleichzeitig unterwegs (auf der falschen Strassenseite), dazu Rikschas, Kuehe, Kinder , Lastentraeger und sehr sehr viele Fussgaenger, die keinerlei Ruecksicht auf die Autos nehmen, die keinerlei Ruecksicht auf die Fussgaenger nehmen. Insgesamt ein heilloses Chaos, in dem nur eine Methode funktioniert: sobald ein Inder loslaeuft, lauf einfach direkt neben ihm, er wird auf keinen Fall ueberfahren. Inder erscheinen auf den ersten Moment lebensmuede, in vielen Dingen die sie tun, aber ich habe das Gefuehl, dass es kein Volk mit einem besseren Ueberlebensinstinkt gibt.

So viel zu meinen ersten Eindruecken von dieser doch sehr widerspruechlichen Stadt. Ich hoffe beim naechsten Mal auch ein paar Fotos praesentieren zu koennen! Weiter gehts mit Sightseeing!

Euer Alex