Mittwoch, 9. Januar 2013

Zweite Haelfte Brasilien

Hallo zusammen,

auf dem Flughafen, auf meinem Weg zurueck nach Europa, nach einem grandiosen Urlaub in Brasilien. Wie immer habe ich es nicht geschafft, wirklich gut auf dem Laufenden zu halten, also werde ich jetzt die letzten zwei Wochen kurz zusammenfassen und dann mit Unmengen von Bildern unterlegen!

Wir erinnern uns, als ich zuletzt schrieb, waren wir gerade fertig mit Olinda und Recife, zwei Staedten im Nordosten, und auf dem Weg die Kueste runter. Erster Stop, fuer die Weihnachtstage: Maragogi. Nach einer etwas abenteuerlichen Busfahrt (sowas wie Bushaltestellen sind im wenig besiedelten Nordosten nicht haeufig, was das Aussteigen zur richtigen Zeit ziemlich erschwert), erreichten wir diesen schoenen Strandort, stilecht mit Palmen, weissem Sand, und dem wohl tuerkisesten Wasser, dass ich je gesehen habe. Also haben wir die Weihnachtstage schnorchelnd und tauchend und in der Sonne liegend verbracht, mit vielen guten Meeresfruechten. Ein wunderschoener Ort. Nach einigen Tagen ging es weiter die Kueste suedlich. Der Nordosten ist Brasiliens Problemregion, und sobald man den Strand hinter sich laesst, sieht man viel Armut und soziale Problemen. Mit dem Bus geht es durch teils sehr karge Regionen, selbst direkt an der Kueste. Nach Praia da Gunga, einem weiteren Traumstrand, ging es in die Provinzhauptstadt Aracaju und von dort mit dem Bus den Sao Francisco Fluss hinauf zur Xingo Schlucht. Der Sao Francisco ist die Lebensader fuer das Landesinnere im Nordosten, wo oft fuer Monate oder Jahre kein Regen faellt und die wenigen Leute, die hier hausen, ein karges Leben mit Viehzucht und Rohstoffabbau fuehren. Nur der Fluss ermoeglicht ein Auskommen. An der Xingo Schlucht wurde er gestaut, und der entstehende Stausee erstreckt sich in einige sehr tiefe Schluchten, in denen man schwimmen gehen kann. Die Schlucht mit ihren roten Sandsteinformationen, der gewaltige Fluss und die graue, lebensfeindliche Landschaft ergeben eine tolle Kombination. Und man schafft es, rechtzeitig zum Krabbenessen zurueck in Aracaju zu sein.

Am naechsten Tag ging es dann weiter in den Bundesstaat Bahia, nach Salvador, der groessten Stadt in Nordbrasilien. Die gesamte Region war zu Beginn der Kolonialisierung zentral fuer die Portugiesen, weil sie sich sehr fuer den Zuckerrohranbau eignet und es nur ein Katzensprung nach Afrika ist. Dementsprechend war Salvador lange die Hauptstadt und zentraler Handelsplatz, sowohl fuer Gueter als auch fuer die fast 4 Mio afrikanischer Sklaven, die hierher verschleppt wurden. Sowohl der koloniale Einfluss in der Architektur, als auch der starke kulturelle Einfluss der Afro-Brasilianer ist hier stark zu spueren: Karneval, Musik, Capoeira sind ueberall, und die Altstadt ist (fuer brasilianische Verhaeltnisse sehr untypisch, da jeder mit etwas Geld aus der Stadt flieht und die Innenstaedte oft soziale Brennpunkte sind) ein buntes Juwel. Ausserdem ist Salvador umrahmt von tollen Straenden und tropischen Inseln, nachdem die Stadt erkundet war, ging es also wieder an den Strand, nach Morro de Sao Paulo, was sich als sowas wie Mallorca fuer Argentinier herausstellte, die fuer den Sommer hier herkommen und feiern, vor allem fuer Neujahr. Wir verbrachten Silvester in Salvador, mit Feuerwerk am Strand und Live-Konzert.

Neujahr ging es dann mit dem Bus zum letzten Highlight der Reise: Der Chapada Diamantina, 500km inland von Salvador. Mitten in der halbwuestenartigen Landschaft, die den Nordosten praegt, ragen ploetzlich eine Gruppe von Sandsteingebirgen aus dem Boden, die das Wetter und die Vegetation um sich herum veraendern und fruchtbarer machen. Ausserdem waren sie reich an Diamanten und anderen Rohstoffen, und sind durchzogen von Unmengen an Hoehlen, oft gefuellt mit eisblauem Wasser. Also ging es ans Hoehlenwandern, Schnorcheln, Schwimmen, Wandern und einfach die Landschaft geniessen. Der Einfluss der Berge auf die Umgebung ist beeindruckend: waehrend wir am ersten Tag in roter Wuestenlandschaft nach Hoehlen suchten, ging es am zweiten Tag mit einem Boot durch Suempfe und Flutgebiete. Eine einzigartige Landschaft, und wie fuer alles auf dieser Reise, viel zu wenig Zeit um ausreichend zu erkunden.

Nach der Chapada Diamantina ging es zurueck nach Salvador und von dort mit dem Flieger zur letzten Station, zurueck nach Sao Paulo. Sao Paulo ist die drittgroesste Stadt der Welt, das groesste Wirtschaftszentrum Suedamerikas, und vor allem ziemlich haesslich. Es gibt sehr viele coole Museen, Galerien, Restaurants etc, aber der Stadt fehlt der Charme von Rio de Janeiro oder Salvador, sie ist ueberfuellt, verstopft, und die Luft ist sehr schlecht. Die meisten Touristen vermeiden sie (es gibt nicht mal einen Strand). Aber wir hatten trotzdem ein paar schoene Tage, mit Kino und gutem Essen.

Und damit ist meine erste Reise nach Brasilien auch schon zu Ende. Das Land hat mich sehr sehr ueberrascht: Ich hatte sehr hohe Erwartungen, aufgrund des Rufes des Landes fuer Straende, Karneval und so weiter. Allerdings zeigt sich, das Brasilien sehr viel mehr zu bieten hat als nur feiern und in der Sonne liegen: Das Essen ist phaenomenal, vor allem durch die schiere Masse an frischen Fruechten, Fisch und so weiter. Die kolonialen Staedte haben sehr viel Charme, alles ist bunt, ueberall ist irgendwer, der Musik macht. Die Landschaften sind wahrscheinlich so vielfaeltig, wie es ueberhaupt geht: Von Regenwald bis zur Wueste haben wir auf dieser kurzen Reise alles gesehen, und das typische Bild von palmengesaeumten Straenden wird sehr schnell ersetzt durch das von unendlich weiten Trockenregionen mit Kuehen und spaerlicher Vegetation. Aber andere Regionen des Landes sind wieder voellig anders. Und, so vielfaeltig wie die Landschaft, die Brasilianer selbst: Es ist eine Platituede zu sagen, dass es kein typisches brasilianisches Gesicht gibt, weil jeder Brasilianer von Einwanderern von allen anderen Erdteilen abstammt. Wir wurden ueberall mit sehr grosser Herzenswaerme empfangen, und die Lebensfreude, fuer die die Brasilianer beruehmt sind, ist ueberall zu spueren, auch wenn nicht gerade Karneval ist.

Ich freue mich schon sehr auf meinen naechsten Besuch! Und hier eine ganze Menge Bilder

Alex




Strand von Maragogi








Praia da Gunga




Einfahrt zur Xingo Schlucht



Damit auch ja keiner verloren geht, wurde ein Stueck Fluss abgezaeunt


Maenner, die als Frauen verkleidet Fussball spielen

Salvador de Bahia

Hafen von Salvador


Capoeira Kaempfer



Innere einer Jesuitenkirche


Salvador




Samba-Gruppe beim Ueben




Weihnachtsmann

Weihnachtsbaum in Salvador


Morro de Sao Paulo





Chapada Diamantina - Das Wasser ist schwarz-rot wegen des hohen Eisenanteils








Halbwueste auf der trockenen Seite der Berge

Abstieg in die Hoehlen



Tropfsteine



Bootstour im Feuchtgebiet in der Chapada Diamantina









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