Freitag, 15. Juli 2011

San Francisco

Hey alle,

auf dem Flughafen, warte auf meinen Flug nach Mexico City, viel Zeit fuer den naechsten Eintrag!

San Francisco, Hauptstadt der Hippies und Heimat der Golden Gate Bruecke. Bevor ich herkam sagten mir alle staendig: "Geh nicht nach LA, sondern direkt nach San Francisco, es ist sooo viel schoener!" Nachdem mir LA nun eigentlich ziemlich gut gefallen hatte, war ich natuerlich gespannt, San Francisco zu sehen. Es sollte auch einige Tage dauern, bis ich die Stadt wirklich sehen konnte, weil wir in eine dicke Wolke eingehuellt waren, die es unmoeglich machte, sich irgendwie ein Bild zu verschaffen oder Fotos zu machen. Das Bild, dass sich dann ergab, gibt den Stimmen allerdings recht: San Francisco ist schoener, und vor allem ist es eines: Verrueckter!

Da das Wetter nicht zum Herumlaufen einlud, verbrachte ich den ersten Tag in Berkeley, Uni angucken. Berkeley ist eine der fuenf besten Unis des Landes, und im eigenen Selbstverstaendnis Ausgangspunkt saemtlicher Studentenproteste der letzten 100 Jahre (sie koennten sogar recht haben). Der Campus ist erstaunlich, alles gruen, die Gebaeude klassizistisch, alles gross und schoen. Alles ist sehr wenig abgehoben fuer eine Eliteuni, die Atmosphaere sehr viel gemuetlicher als erwartet. Die Tueren haben keine Tuerknaufe, weil Studenten die Angewohnheit hatten, sich aus Protest daran festzuketten. Nobelpreistraeger bekommen ihren eigenen Parkplatz. Solche Sachen.

Der naechste Tag wurde dann wetterbedingt im Zoo verbracht, und gestern dann endlich: Sonne, schoenes Wetter, also ab aufs Fahrrad und ueber die Golden Gate Bruecke, einst die laengste Haengebruecke der Welt, und mit der Faehre durch die Bucht zurueck in die Stadt, und dort herum gelaufen.

Es ist echt schade, dass das Wetter ein wenig verquer gespielt hat, ich haette gerne noch einige Tage mehr herum laufen koennen, denn irgendwie gibt es an jeder Ecke was Neues zu entdecken. San Francisco war in den 60ern und 70ern das Zentrum fuer Hippies und Andersdenkende in den USA, und es hat sich diesen Status erhalten: alles ist bunt, schrill, Graffitis an fast jeder Wand, alles ist Oeko und Gruen, und es gibt im Grund nichts, das man tun koennte, um hier aufzufallen. Die Leute sind sehr entspannt, tolerant gegenueber so ziemlich allem. Die Stadt scheint Obdachlose magisch anzuziehen, die einem an jeder Ecke begegnen und durch die grosse Konkurrenz dazu animiert werden, aus der Masse heraus zu stechen und etwas Lustiges zu machen (auch wenn das Resultat oft eher traurig ist). Durch die Lage als Hafenstadt am Pazifik hatte die Stadt immer eine riesige chinesische Bevoelkerung, jetzt kommen Massen aus Mexiko hinzu, sodass das oeffentliche Leben ziemlich dreisprachig ablaeuft.

Diese Multikulturalitaet ist auch einer der Punkte, die mir hier in Kalifornien am Besten gefallen haben: Waehrend Deutschland und viele andere Laender Europas noch gar keine Vorstellung davon entwickelt haben, was es wirklich bedeutet, ein Einwanderungsland zu sein, und an ihrer veralteten Ansicht festhalten, dass Staatsbuergerschaft und Ethnizitaet zusammen haengen sollten (Die Tuerken sind die Tuerken, und die Deutschen sind die Deutschen), wird man hier sehr viel einfacher aufgenommen und akzeptiert. Amerikaner ist jeder, der zum Ganzen beitragen will, und dementsprechend empfinden sich die Leute auch sehr viel schneller als Teil eines Ganzen. In anderen Teilen der USA funktioniert dies sicher bei Weitem weniger gut, und in Texas schiessen Buergermilizen immer noch auf Mexikaner wenn sie sie fuer illegale Einwanderer halten, aber Kalifornien ist unfassbar divers. Eine andere positive Ueberraschung dieses Landes fuer mich: Sowohl die Natur als auch die Staedte sind riesig, maechtig, vielfaeltig, und rechtfertigen durchaus die Leidenschaft, die viele Menschen ihnen entgegen bringen, und den Hype, den die Medien oft um sie machen. Las Vegas, LA, San Francisco sind inzwischen genauso tief in unserem kulturellen Erbe wie Rom oder Athen es einst waren, und sie werden dieser Rolle als Weltmetropolen durchaus gerecht.

Die USA erfuellen viele ihrer Klischees. Man kann gemuetlich irgendwo sitzen, und ein unscheinbarer junger Mann kommt und erzaehlt einem, die Bibel sei das genaueste Geschichtsbuch der Welt. Kleine Autos gibt es nicht, Waffen kriegt man ueberall wenn man moechte, alles ist sehr konsumorientiert, und die Anzahl an Obdachlosen auf den Strassen ist fuer ein Erste Welt Land beschaemend (auch Frauen mit Kindern und eine sehr grosse Zahl alter Menschen). Der Kapitalismus sitzt tief, Konzepte wie ein staatliches Gesundheits- und Sozialsystem machen fuer viele einfach keinen Sinn, was erklaert, warum Obama es so schwer hat. Als ich beim Fruehstueck anmerkte, wir koennten ja die kostenlosen Broetchen nehmen und an die Obdachlosen verteilen, wurde ich von einem Beisitzenden fuer verrueckt erklaert, obwohl er selber das letzte Jahr auf der Strasse gelebt hat. Irgendwie paradox. Man trifft auf sehr viele sehr seltsame Gestalten. Aber trotzdem muss ich sagen: Kalifornien hat mir gefallen, hat mich positiv ueberrascht, und jetzt darum geht es jetzt mit einem guten Gefuehl ab nach Mexico, wo ich die naechsten drei Wochen sein werde. Ich weiss nicht wie regelmaessig ich dort Internet bekomme, aber ich halte euch alle auf dem Laufenden!

Liebe Gruesse,
euer Alex




Berkeley

Ich will auch einen Dino in meiner Uni!

Reservier fuer Nobelpreistraeger

Hafengebaeude



Chinatown



Die Stadt ist wirklich sehr huegelig!



Seeloewen


Golden Gate Bruecke



Alcatraz, unausbrechbar in der Mitte der Bucht

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