Sonntag, 10. Juli 2011

Las Vegas and Grand Canyon

Howdy daheim,

Da ich nun seit 13 Stunden im Bus bin und noch 3 oder 4 vor mir habe, und mir die Buecher ausgehen, fang ich einfach schon mal an meinen Eintrag zu schreiben. Die USA sind genauso weitlaeufig wie Australien, macht man sich selten so bewusst, und die grausame Langsamkeit der Busse hilft nicht wirklich das Ganze angenehmer zu gestalten. Bin bisher noch nie puenktlich irgendwo angekommen. Aber der Reihe nach.
Letzter Eintrag war aus Los Angeles, von wo es nach Las Vegas ging, Sin City, die Stadt der Suende, des Gluecksspiels und des schnellen Geldes. Zumindest in der Vorstellung der Amerikaner. Recht haben sie. Die Suende bekommt man ueberall auf der Strasse in die Hand gedrueckt, in Form von kleinen Visitenkarten mit unbekleideten Damen, die man doch bitte anrufen soll, und das Gluecksspiel ist einfach allgegenwaertig, da saemtliche Gebaeude mit mehr als zwei Stockwerken ein Casino zu beherbergen scheinen. Und auch das schnelle Geld ist da, allerdings nicht fuer die Spieler, sonder fuer die Casinoindustrie: Schneller Geld machen kann man im Grunde nur noch, wenn man es selber druckt. Die Anzahl an Menschen, die die Casinos bevoelkern, ist unvorstellbar, zu jeder Tag- und Nachtzeit kann man die Massen dabei beobachten, wie sie von Spielhoelle zu Spielhoelle driften und dort Geld in kleine Automaten werfen, in der Hoffnung, dass unten wieder etwas raus kommt. Klappt sehr selten, wenn man sich die schiere Groesse der Casinos anguckt: Wo sonst hat man Venedig und Paris -samt Eiffelturm und Arc de Triomph- in Spazierdistanz zu New York und einem roemischen Palast? Und alle, alle diese Hotels sind ueberwaeltigend gross, mit Einkaufsstrassen (je nach Thema an einem venezianischen Kanal mit Gondeln gelegen, oder in prunkvollem Barockstil), Fressmeilen, natuerlich den Casinos, und einer Fuelle an Attraktionen. Ob man nun Loewen im MGM beobachten will, Delphine im Mirage, einen Kampf zwischen zwei Schiffen mit (singenden und halbnackten) Piraten, im Circus Circus im Zirkus flaniert oder man im New York, New York Achterbahn faehrt, es wird sicher nie langweilig. Hinzu kommen unendlich viele Zaubershows (David Copperfield und Freunde), Zirkusauftritte, Musicals, Saenger, Stripshows… Las Vegas ist das Herz des schnellen Vergnuegens und des Geldausgebens, der Shows und des Entertainments, und meine Guete, sind sie gut darin. Da macht es auch nichts, dass die Stadt eigentlich nur aus einer Strasse besteht, um die sich alle grossen Hotels quetschen. Macht es fuer die Massen an Touristen nur einfacher, ihr Geld los zu werden.

Ich selber habe mich recht geschickt rausgehalten. Ein wenig Gluecksspiel (50 Dollar beim Roulette gewonnen, nur um sie gleich wieder zu verlieren. Grausames Vegas), viele freie Shows, aber nicht das fast schon obligatorische durch die Strip-Clubs-Ziehen, keine wilden Parties, und ich habe auch nicht geheiratet (vom Fenster meines Hostels aus konnte ich 4 Kapellen sehen, eine sogar mit Durchfahrschalter fuer die Kurzentschlossenen). Dafuer sehr viel herumlaufen und die Groesse und den Prunk begaffen: Jedes Casino ist einfach fuer sich eine Attraktion, das Geld und der Aufwand, die genutzt warden, um die Gaeste zum Verlieren zu animieren, ist einfach fantastisch! Wenn die Altvorderen schon Neonschilder gekannt haetten, wuerde Versailles heute wahrscheinlich ungefaehr so aussehen wie einige der Casinos, und bei allem Mitleid mit den Legionen, die vor ihren Einarmigen Banditen sitzen und auf etwas Kleingeld hoffen, bleibt einem nichts uebrig als zu staunen, was alles moeglich ist, vor allem wenn man bedenkt, dass die Stadt in einer der lebensfeindlichsten Wuesten der Welt liegt (was das Wetter nicht davon abgehalten hat, mich mal wieder vollzuregnen, was bei constant mehr als 45 Grad allerdings recht angenehm war).
Dieses Erstaunen war genug, die ersten beiden Tage zu fuellen. Am naechsten ging es dann zum anderen Highlight der Region: Dem Grand Canyon! “Region” wird in Amerika recht weit gefasst: nach einem recht ereignislosen 5 Stunden Bustrip vorbei am Hoover-Damm erreicht man die Schlucht des Colorado Rivers. Man faellt aus dem Bus, kommt ueber eine kleine Huegelkuppe, und weiss nicht ob man fluchen oder heulen soll: Der Grand Canyon verdient sich definitive seinen Rang unter den Naturweltwundern!!! Man steht unmittelbar an einer Klippe, und man schaut hinab, und hinab und hinab, und irgendwann einen Kilometer tiefer stoesst der Blick endlich auf rotes Gestein, das jedoch nur zu einer weiteren Klippe fuehrt, noch einmal einen halben Kilometer hinunter… Es ist wahrhaftig als stuende man vor einem ungedrehten Gebirge. Das Gehirn hat Probleme, diese Groesse zu verarbeiten, weshalb alles seltsam zweidimensional aussieht. Malerisch! Der Grand Canyon ist so gross, dass er sein eigenes Wetter generiert, was wir dadurch zu spueren bekamen, dass wir bei der Ankunft noch schoensten Sonnenschein hatten, der dann innerhalb kuerzester Zeit Sturmwolken Platz machte, und wir auf dem Rueckweg zum Bus von Hagel und Regen ueberschuettet wurden, waehrend es um uns rum donnerte und krachte: Ein tolles Erlebnis, wenn auch sehr durchnaessend! Zu gerne haette ich eine Helikopter- oder Bootstour gemacht, um den Canyon noch genauer zu erkunden, aber dafuer war leider nicht genug Zeit.

Der letzte Tag wurde dann nochmal damit zugebracht, einige der Attraktionen der Stadt zu erkunden, namentlich die Achterbahn im New York, New York, mit Loopings und allen Extras, und den Stratosphere Turm. Das Stratosphere ist nur ein weiteres Hotel, allerdings haben sie einen Turm, der nur knapp kleiner ist als unser Fernsehturm, und auf der Spitze sind diverse Vergnuegungsfahrten angeboten. Unter anderen ein Freier Fall: Man ist quasi an seinen Stuhl geschnallt, der dann wie aus der Kanonenkugel geschossen nach oben katapultiert wird, wo der Magen kurz gegen die Schwerkraft kaempft, und man wieder runter faellt. In 300m Hoehe ein echtes Spektakel, vor allem waehrend des Sonnenunterganges. Also auch hier, ein Taumel aller Sinne.

Vegas hat mich erstaunt: Vorher dachte ich, die Stadt wuerde mich eher abstossen, mit all dem Laerm, dem sinnlosen Geldausgeben, Drogen, Prostituierten etc., aber trotz all dieser Dinge ist es den Hotelbesitzern irgendwie gelungen, etwas Schoenes zu schaffen, etwas das heraussticht. Wenige Orte strotzen so vor Kreativitaet (wenn sie auch nur dazu dient, Geld zu scheffeln), und ich habe selten so eine Fuelle bewundernswerter Gebaeude gesehen. Ausserhalb des Casinodistrikts ist die Stadt einfach ein grosses, ekliges Loch, wo die sozialen Probleme Amerikas allzudeutlich hervortreten und Menschen ein oft trauriges Dasein in kleinen Wohnwagen fristen. Aber die glitzernde Welt des Las Vegas Boulevard zieht in ihren Bann.

In dem Sinne: Viva Las Vegas!

Auf dem Weg zum Grand Canyon


Der Grand Canyon! Leider war's wolkig!



Attackiert von nem Eichhoernchen!



Vorspiel zum Gewitter in der Wueste


Circus Circus

Piraten-Feuer-Schiff-Show



Vorhalle des Caesars Palace

Einkaufsmeile im CP



Springbrunnen vor dem Belagio... Alle 15min anderes Wasserspiel



New York New York - mit Achterbahn! Die Gebaeude sind alle ein Hotel!


Luxor


Paris

Nachbildung des Markusplatzes in Venedig... drinnen

Caesars Palace von aussen

Las Vegas von oben


Das Stratosphere


Venedig... drinnen

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