Sonntag, 24. Juli 2011

Oaxaca und San Cristobal

Hab endlich mal gutes Internet, also gleich den naechsten Eintrag hinterher. Verbringe momentan immer nur einen Tag an jedem Ort, Mexico ist sooooo gross und es gibt so unfassbar viel zu sehen, ich mache quasi den Schnelldurchlauf. Heute: Die beiden Provinzhauptstaedte Oaxaca und San Cristobal.

Fuer beide trifft zu, was schon in Mexico stimmte: Unfassbar bunt, viele Leute ueberall, aber hier sind die lokalen Ureinwohner noch spuerbarer und machen das Ganze sehr spannend, denn obwohl die beiden Staedte sich sehr aehnlich sehen (zentraler Platz, bunte Haeuser, viiiiele Kirchen), ist die Bevoelkerung doch sehr unterschiedlich, und die wahren Attraktionen warten ausserhalb der Staedte.

Oaxaca liegt im Herzen des alten Zapoteken-Reiches, die Stadt ist einfach niedlich, strotzt vor Mezcal-Destillerien (ein Agaven-Schnaps, wie Tequila) und ist umringt von, natuerlich, Ruinen. Die eindrucksvollste davon: Monte Alban, alte Hauptstadt und Bergfestung, ziemlich gut ausgegraben und mit wunderschoenem Ausblick ueber das gesamte Tal (ein Fakt ueber Mexico, den ich mir nie bewusst gemacht habe, ist dass ein grosser Teil Mexicos in Hochtaelern zentriert ist: Mexico City liegt 2000m hoch, und wo auch immer man hinfaehrt, ist man immer von Bergketten umgeben). Ein weiteres Highlight: der Arbol del Tule, der breiteste Baum der Welt, 2500 Jahre alt und 52m im Umriss... die angrenzende Kirche koennte man getrost drin verstecken!

Eine 12h Fahrt mit dem Bus durch die Nacht entfernt, landet man in San Cristobal de las Casas. Stadtbild aehnlich, aber voller, mehr Touristen, mehr Studenten. Anziehungspunkt hier: die kleine Gemeinde San Juan Chamula, groesster Ort einer ethnischen Gruppe, die von den Maya abstammen und sich durch ihre abgefahrenen religioesen Praktiken auszeichnen: Sie sind zwar christlich, beten aber zu Johannes dem Taeufer, dem sie eine riesige Kirche gebaut haben, in der sie Tiere opfern, Kranke mit Ei einreiben waehrend sie beten, alles ist mit Stroh ausgelegt, und man trinkt Unmengen Cola weil Ruelpsen die Seele reinigt (echt wahr).  Leider darf man keine Fotos von ihnen machen, da dies die Seele stiehlt... eine recht surreale Erfahrung, sich das Ganze live anzugucken!

Morgen frueh geht es direkt weiter, nach Palenque, anscheinend die schoenste Mayaruine ueberhaupt! Ich bin gespannt!

Euer Alex


Blick von Monte Alban

Monte Alban












Normaler Wochentag in Mexico


Kathedrale und Disney


Die ganze Kirche ist Innen mit Gold verkleidet





Trachten sind hier etwas aufwaendiger

Einheimischer Karneval


Der breiteste Baum der Welt


14m im Durchmesser



Indigene Frauen nahe San Cristobal (tragen alle den gleichen schwarzen Schafswollrock)

San Juan Chamula

Freitag, 22. Juli 2011

Mexico City

Hola!

Herzlich Willkommen zu Alex' Wunderbarer Welt, heute: Mexico City. Mexico City ist gross. Richtig gross. Mit sechsmal so vielen Einwohnern wie Berlin, es ist ein 25-Millionen-Menschen-Koloss (dass sind ein Viertel des ganzen Landes). Nun kannte ich aehnlich grosse Staedte schon aus Indien, und habe mich mental auf das Schlimmste vorbereitet, aber dann kommt der Unterschied zwischen Zweiter und Dritter Welt doch zum Tragen: Wo in Delhi Slums das Stadtbild beherrschen, sind es hier koloniale Bauten und kultivierte Vororte, die durchaus vorhandenen Armenviertel liegen sehr weit ausserhalb und beeintraechtigen den touristischen Eindruck nicht, und selbst dann haben sie eine sehr andere Dimension als in Indien.

Mexico City wurde von den Spaniern aus den Steinen der an gleicher Stelle gelegenen Hauptstadt der Azteken, die sind eingenommen hatten, errichtet, eingeschlossen von Vulkangipfel und an (und teilweise auf) einem See gelegen. Der See ist inzwischen verschwunden, allerdings ist der Boden immernoch so feucht, dass die ganze Stadt jedes Jahr einige Zentimeter bis zu mehreren Metern im Boden versinkt, was vor allem in der Innenstadt hervorragend zu beobachten ist: kein Haus ist gerade, Kirchtuerme stehen in allen moeglichen und unmoeglichen Winkeln herum, und ein Spaziergang durch die Kathedrale laesst einem schon schummrig werden, weil sie dem altgewohnten rechten Winkel hoehnt. Architektonisch kriegt man das, was man erwartet, wenn man inquisationsgeile Spanier auf der Hoehe ihrer Macht mit blutruenstigen Azteken zusammenwirft: Kirchen. Sehr dunkle Kirchen. Mit unfassbar viel Gold. Und sehr duestere Haeuser. Vor allem die Hauptkathedrale, errichtet auf dem Haupttempel der Azteken (in dem sie noch wenige Jahre zuvor 20.000 Menschen am Tag geopfert haben um ihn neu zu weihen), ist beeindruckend barock und schwer und deprimierend, was durch die Unregelmaessigkeit aller Waende ein wenig erleichtert wird. Aber der vergangene Reichtum der spanischen Kolonie ist allerorten sichtbar. Entfernt man sich weiter vom historischen Zentrum, wird alles etwas leichter, bunter, kurz: mexikanischer!

Mexikaner lieben Farben. Das klingt doof, jeder liebt Farben, aber hier ist alles bunt: Die Wohnhaeuser, die Kleidung, viele Strassen, Kunstgegenstaende, alles ist in Rot und Gelb und Blau. Meist auch jedes Haus eine andere Farbe, selbst in den sehr armen Viertel. Ich hatte das Glueck, die erste Nacht hier bei der Freundin einer Freundin und ihren Eltern schlafen zu koennen, und selbst im Haus: bunte Teppiche, bunte Schnitzereien, bunte Wandbemalungen. Grund dafuer ist der unheimlich starke Einfluss der urspruenglichen Bevoelkerung: waehrend die Englaender in ihren Kolonien auf Ausrottung und Unterdrueckung gesetzt haben, waren die Spanier cleverer: sie haben sich einfach vermehrt, so dass heute jeder Mexikaner entweder reinrassig indigen ist (wenn seine Uroma schnell genug war) oder mehr oder minder gemischtrassig, was zu bunter Abwechslung im Aussehen fuehrt, und zu einer tiefen Verbundenheit mit der eigenen Geschichte und Kultur. Gemischt mit extrem starkem Katholizismus hat man am Ende tiefreligioese feierwuetige Frauenhelden, die Sonntags in die Kirche gehen und sich hinterher auf dem Kirchvorplatz von einem Schamanen reinigen lassen. Ueberall findet man die Einfluesse der alten Kulturen, sei es in der Kleidung, im Kunsthandwerk, oder in der Religion - die meisten alten Goetter wurden einfach in Heilige umgewandelt, Feiertag wurden uebernommen, und Riten und Traditionen blieben einfach unangetastet. Eine sehr interessante und fruchtbare Mischung. Da Mexico oekonomisch sehr eng mit den USA verknuepft sind, und die ja bekanntlich in der Krise stecken, satteln viele Mexikaner auf so etwas wie eine zweite Wirtschaft um: Jeder findet irgendwo eine Taetigkeit, entweder als kleiner Essensstand in den allgegenwaertigen Maerkten, im Kunsthandwerk, als Strassenmusiker, lebende Statue, Busausrufer, Schuhputzer... Und da Mexico zeitgleich eine recht robuste Mittelklasse entwickelt, funktioniert es und jeder kommt irgendwie durch und man kann kaum treten da sich das ganze Leben auf der Strasse abspielt.

Nachdem ich meine erste Nacht in einem eigenen Zimmer in einem Einzelbett ausgiebig genossen hatte, ging es erstmal an die Erkundung der Altstadt und der lokalen Kueche (Das Essen! Das Essen! Viva Mexico!). Am naechsten Tag dann kulturelles Ueber-Programm: Erst in den Zoo, dann ins Nationalmuseum fuer Anthropologie (4h und ich hab nichtmal das gesamte Untergeschoss geschafft... Olmecs, Tolteken, Azteken, Zapoteken, Mayas... einfach zu viele Voelker) und abends dann noch ins folkloristische Ballett (ziemlich bunt, natuerlich, aber sehr unterhaltsam, in einem der schoensten Opernhaeuser die ich je gesehen hab. Tags darauf dann nach Teotihuacan, zur Hauptstadt einer der ersten Hochkulturen Mesoamerikas. Oder besser gesagt, was davon uebrig ist. Von den vermutlich 125.000 Menschen, die hier um 500 nach Christus gelebt haben, sind nur noch einige Ueberreste vorhanden, aber selbst die haben es in sich: Die Pyramide der Sonne dort ist die drittgroesste Pyramide der Welt, 80m hoch, 3 Millionen Tonnen schwer, errichtet ohne Lasttiere oder Raeder oder andere Hilfsmittel (allerdings waren die Leute hier schlau genug vorher Moertel zu erfinden, was den Aegyptern Einiges an Arbeit gespart haette). Leider hatten sie es nicht so mit regelmaessigen Treppen, was den Aufstieg doch ziemlich schwierig gestaltet. Lohnt sich trotzdem. Tags darauf dann noch die Vororte erkundet, und auch hier: alles bunt, schoen hergerichtet, unheimlich viele Menschen auf den Plaetzen, Luftballons, Kinder... In Europa muss schon Feiertag sein, um die Stimmung zu erreichen, die hier bei schoenem Wetter herrscht. Noch schnell ins Frida Kahlo Museum (bedeutendste Kuenstlerin Lateinamerikas, ziemlich exzentrisch), in dem Trotzki auf seiner Flucht vor Stalin ziemlich lange gewohnt hat (habs leider nicht mehr bis zu dem Haus geschafft, in dem er dann ermordet wurde). Und natuerlich zur Uni, mit 300.000 Studenten eine der groessten der Welt.

Mexico City hat mich begeistert: Nachdem mir in Australien Kultur, Geschichte und gutes Essen gefehlt haben, wird man hier foermlich damit erschlagen: ueberall Ruinen aus diversen Epochen, jeder Vorort seinen Revolutionshelden, ueberall spielt irgendwer Musik und irgendjemand tanzt dazu, und das indigene Kunsthandwerk macht es teilweise unmoeglich, Strassen zu durchqueren. Die Kriminalitaet ist in einigen Teilen sehr hoch, wovon ich persoenlich ausser den staendigen Warnungen jedoch nicht viel gemerkt habe (hoffe es bleibt so, waehrend der Norden des Landes durch den Krieg der Drogenkartelle untereinander und mit der Regierung ziemlich mitgenommen ist, ist der Sueden, durch den ich reise, eigentlich recht still). Mein Spanisch ist, wie erwartet, unterirdisch, weshalb ich aus Scham anfangs wenig gesprochen habe oder direkt auf Englisch umgestiegen bin. Je laenger ich bleibe, desto besser wird es aber, ich kann immer noch keine echte Unterhaltung fuehren, aber ich kann Essen bestellen (verdammt gutes Essen) und mich durchkaempfen, was von den Mexikanern sehr positiv aufgenommen wird. Ich glaube die naechsten Wochen werden grossartig!

Hoch lebe Mexico!

Hauptplatz von Mexico mit Praesidentenpalast und Demonstrantenzelten (Mexikaner sind immer in Revolution)

Im Praesidentenpalast

Wandmalerei im Palast (Wandmalereien sind DIE Kunstform hier)

Marx ist ueberall


Palast der Schoenen Kuenste

und bei Nacht




Kathedrale


Siegessaeule mit Goldelse... Warte, was? Sieht genauso aus wie unsere!

Mexikanische Boerse


Revolutionsdenkmal



Wandmalerei an der Uni

auch die Uni

Und noch ne Kirche. So viele Kirchen...

4 Typen, die an Seilen kopfueber um eine Saeule kreisen (die Frauen stehen drauf)

Im Anthropologischen Museum



Kriegersaeule, Toltekisch, 6m hoch


Azteken...

Menschenopferschrein

Montezumas Kopfschmuck



Grosser Steinkopf

Stein der Sonne

Zweikoepfiger Schlangenkrieger mit hundskoepfigem Daemon im Genitalbereich (Azteken waren aber auch kreativ)

Gluecklicher Gott mit Haeschen

Maya-Totenmaske aus JAde

Skelette sind ueberall... und sie sind immer gluecklich.

Skelette sind wirklich ueberall



Buecherregen




Im Ballett


Man beachte das tanzende Seepferdchen

Bunte Trachten... und das ist noch garnichts

Sonnenpyramide, Teotihuacan

Ganz oben


Blick von der Mondpyramide

Ich.