Sonntag, 3. Juli 2011

Los Angeles

Hey hey hey,

meine Eintraege nehmen wieder an Frequenz zu, man merkt: es passiert wieder mehr. Ehrlich gesagt bin ich schon fusslahm vom ganzen umherlaufen und Sachen sehen. Aber die Motivation steht!

Erster Stopp in den USA ist erreicht  und fast schon wieder vorbei: Ich habe endlich den Sprung nach Hollywood geschafft! Willkommen in Los Angeles, der Hauptstadt der Popkultur!

Bevor ich herkam haben mich alle gewarnt: Bleib nicht zu langen in LA, es ist nicht schoen, es ist nicht viel zu sehen, San Francisco ist viel  besser. Nun, ich weiss noch nicht ob der letzte Punkt stimmt, aber ich kann sagen: Ich mag Los Angeles! Und trotz vier Tagen hier koennte ich gut noch eine Woche bleiben und neue Dinge erkunden. Los Angeles mit Umland ist offiziell der drittgroesste Ballungsraum der Welt (nach Tokyo und New York, obwohl ich ziemlich sicher bin dass inoffiziell einige Staedte in Indien und China groesser sind, nur das nie jemand zaehlt). Allerdings ist LA mit Abstand die weitlaeufigste Stadt, in der ich je war: Man faehrt und faehrt und faehrt (laufen ist nicht drin), und nach einer Stunde ist man immer noch auf der selben Strasse, bei Hausnummer 13000. Ein wenig irre. Macht Sightseeing ziemlich zeitraubend und schreckt wahrscheinlich viele ab. Nicht so mich, also auf in die Oeffentlichen und losgezogen. Das schoene an LA ist, dass man saemtliche Orte irgendwie schon kennt: Venice Beach, Beverly Hills, Bel Air, Hollywood, Sunset Boulevard, Santa Monica... Alles Namen ohne Gesichter, und es ist interessant hin zu kommen und es alles live zu sehen.

Erstmal Kamera gekauft (meine ist auf Fiji abgesoffen, die neue ist wasserdicht) und ab ging die Post, zum Strand. Venice Beach, der stereotype californische Strand, Palmen, Surfer, Basketballer und verdammt viele Strassenstaende. Und die neuste Leidenschaft der Kalifornier: Hier gibt es jetzt Mariuhana gegen Rezept, man brauch nur ein Empfehlung vom Arzt, dass man eine chronische Krankheit oder irgendwas hat, schon kann man legal kiffen. Weshalb an jeder Strassenecke junge Aerztinnen und Aerzte einen Stand haben und fuer 50$ Rezepte ausstellen... Aber ansonsten ist Venice interessant, einfach durch die bluehende Strassenkultur, Graffiti, und sehr viele Sportler. Es war der Ausgangspunkt der Skateboardkultur, und 2km weiter ist Santa Monica Beach, wo die ganze Bodybuilder Sache ihren Anfang nahm (darum ist Arnold Schwarzenegger hier ja so gross geworden).


Medizinisches Mariuhana und Botox am Strand...

mehr als 10 zweikoepfige Tiere! Und ein Wolfsjunge!


Santa Monica, Muscle Beach

Meine neue Kamera hat Panorama Modus


Sie sind einfach ueberall







Nach dem Strand gings dann ins Zentrum von Santa Monica (einem Ortsteil von LA), recht reich, sehr schoen hergerichtet, mediterranes Flair wuerde man wohl sagen. Danach zur Universitaet von Los Angeles (sie haben viele, aber die UCLA ist bei Weitem die groesste). Ich mach quasi eine Uni-Tour durch Kalifornien, sie haben einige der besten der Welt. Der Campus war einfach riesig, sie haben einen eigenen Busservice, aber die Uni selber ist sehr schoen, roter Backstein, Eichhoernchen und Studenten rennen herum, auf jeden Fall eine der schoensten Unis die ich bisher gesehen habe. Danach ein erster kurzer Abstecher nach Hollywood, was jedoch eher enttaeuschend war (auch wenn ich Elton John von Weitem gesehen habe, war gerade irgendeine Filmpremiere). Hollywood Boulevard hat zwar den Walk of Fame, diese ganzen Sterne auf dem Fussboden mit den Namen beruehmter Leute, und das Chinesische Kino, wo alle grossen Filmpremieren stattfinden, aber sonst nicht viel Nennenswertes. Der Ruhm ist ein bisschen den Tattoo und Souvenierlaeden gewichen, und das Stadtviertel selber ist ein wenig trist, die meisten Filme werden inzwischen weiter ausserhalb produziert. Allerdings war ich heute noch einmal da, im Tageslicht, was den Eindruck ein wenig verbessert hat, einfach durch die Magie die der Ort fuer viele Leute noch hat, es herrscht Jahrmarktstimmung, Menschen in Kostuemen laufen herum und lassen sich fotografieren, irgendwie putzig. Viel beeindruckter war ich da schon von Beverly Hills: DER Reichenvorort der Welt, und wahrscheinlich Hauptabsatzmarkt fuer deutsche Autohersteller, denn fast jedes Haus hat mindest einen Mercedes, BMW oder Porsche vor der Tuer zu stehen, manchmal zwei oder mehr. Das kein Haus zum naechsten passt ist dadurch egal, dass alle an sich schon ziemlich protzig und beeindruckend sind.

Dinosaurierwasserspeier in Santa Monica

Campus der UCLA

Tempel der Mormonen... Gespenstisch, wa?

Selbst Lassie hat nen Stern

Chinese Theatre

Und Darth Vader ist doch Afroamerikaner!

Sind verdammt klein die Buchstaben

Allee in Beverly Hills


Standardhaus mit Standardauto in Beverly Hills
Der dritte grosse Stadtteil, den ich erkundet habe, ist die Innenstadt (Downtown). Nach einer normalen 2h-Busfahrt reitet man zwischen Hochhaeusern und zerfallenen Industriebauten ein. Muss eigentlich garnicht viel erzaehlen, lade einfach Bilder hoch. Die Kontraste sind echt stark, aber ist sehr interessant (wenn auch sehr dreckig). Die Innenstadt ist sehr viel weniger wichtig als zum Beispiel in New York, zum Beispiel ist mir aufgefallen dass ich noch in keinem Film die Skyline von LA gesehen habe, einfach weil sie nicht so wichtig fuer das Stadtgefuehl ist. Darum war ich auch ueberrascht dass die Stadt komplett von teilweise fast 2000m hohen Bergen umgeben ist, die wahrscheinlich sehr schoen zu erkunden waeren, wenn man mehr Zeit haette.





Walt Disney Music Centre und Philharmonie

Kathedrale

Rathaus

Historische Innenstadt



Alles in allem hat mich Los Angeles sehr ueberrascht. Es aehnelt sehr stark Sydney, mit dem Strand, den reichen Vororten, dem hohen Lebensstandard. Allerdings hat LA etwas was Sydney nicht hat, und was mein Herz am meisten gewonnen hat: Es ist gnadenlos multikulturell. Ich hab mich auf einer der Busfahrten mit einer Afroamerikanerin unterhalten, und irgendwann ging uns auf dass ich der einzige Weisse im vollgestopften Bus war. Ausserdem ist die Stadt im Grunde zweisprachig, saemtliche Werbungen und Strassenschilder sind inzwischen in Spanisch, einfach aufgrund der Naehen zu Mexico und der Masse an Migranten. Dies fuehrt zum Einen zwar zu sehr starken sozialen Problemen, hilft aber den weissen Amerikanern mal zu bemerken, dass sie nicht mehr alleine sind. Ansonsten sind einige Dinge genau so wie man sie sich vorstellt (Fast Food ueberall, Flaggen an jedem Haus, und ich habe heute nach verzweifelter Suche meinen ersten Kleinwagen entdeckt!), aber alles in allem haben die USA mich sehr sympathisch empfangen!

Liebe Gruesse nach daheim! Morgen gehts nach Las Vegas!

Freitag, 1. Juli 2011

Fiji

Bula everybody,


Willkommen zu meinen Eintrag ueber Fiji. Wenn man den Werbefachleuten der Insel glauben darf dem Paradies auf Erden, mit traumhaften Straenden auf winzigen Inseln in unwirklich schoener Suedseeidylle und mehr Abenteuer und Entspannung als man ueberhaupt aufnehmen kann. Wenn man mir glauben darf, untertreiben diese Leute. Ich hatte nur anderthalb Tage auf Fiji, als Zwischenstopp in Richtung USA, aber das hat gereicht um mich ueber beide Ohren in die Inselgruppe zu verlieben. Man kommt an, wird von freundlichen Polynesiern mit Gitarre und Ukulele mit einem herzlichen Bula (Hallo) willkommen geheissen, dann gings zum Hotel am Strand, Sonnenuntergang bei Cocktail mit Schirmchen in Haengematte, pures Urlaubsgefuehl. Danach wieder Ukulelenmusik und die traditionelle Kava-Zeremonie (Kava ist das oertliche Betaeubungsmittel, irgendeine zerstossene Wurzel als Tee zubereitet, schmeckt nicht nach viel, beruhigt aber ungemein und man schlaeft hinterher wie ein Baby. Am naechsten Tag dann auf Bootstour durch die Suedseeinselwelt, vorbei an Bounty Island (wo die Meuterer der Bounty ihren Kapitaen zurueck gelassen haben) und jeder Menge der 333 Inseln (teilweise nur ein runder Strand mit Palmen und einem Hotel drauf) zu der Insel, auf der Tom Hanks Cast Away gedreht hat (keine Ahnung wie die heisst). Dort geankert, geschnorchelt mit Haien, Moraenen, Tintenfischen und was man sonst noch so findet, eine Kokosnuss geknackt, am Strand gelegen, und nach Einwurf leckeren Essens ab zur naechsten Insel. Dort ein Dorf besucht, dass vom Verkauf von Krimskrams an Touristen lebt, mehr am Strand gelegen, mehr auf das kristallklare Wasser gestarrt, Muscheln gesammelt, Krebse geaergert... Die Moeglichkeiten Fijis wenn es um die Beschaeftigung von Touristen geht sind umfangreich, mit etwas mehr Zeit haette man auch ins benachbarte Tonga gekonnt um mit Walen zu schwimmen, man kann die 2000m hohen Berge der Hauptinsel erklimmen, mit Mantarochen tauchen, jeder nur erdenklichen Art von Wassersport nachgehen... Und begleitet wird man von den extrem lieben Fijianern, die irgendwie alle die Gitarre und Ukulele spielen und darauf trainiert sind ein moeglichst perfektes Bild der Urbevoelkerung zu malen. Und auch wenn man haeufig merkt, dass das Bild verzerrt ist, fuehlt es sich nie falsch an. Fiji ist fuer mich ein Paradies, und ich habe auf jeden Fall vor zurueck zu kommen und hier weitaus mehr Zeit zu verbringen.

Fiji von oben

Sonnenuntergang am ersten Abend... mit Hund


Mit Schirmchen!

Die einheimische Abendunterhaltung


Bounty Island (wo die Meuterer der Bounty ihren Kapitaen zurueck gelassen haben)



Die Insel auf der Cast Away gedreht wurde












Mittwoch, 29. Juni 2011

Das Ende von Australien

Hallo alle,

morgen geht es fuer mich weiter, ich verlasse Australien nach 9 wundervollen und abenteuerreichen Monaten, und es ist Zeit ein Fazit zu ziehen und die Planung der naechsten Wochen aufzudecken.

Australien ist der Traum vieler Menschen in Europa, aufgrund seiner brillianten Straende mit kristallklarem Wasser und Surfwellen, wegen der unendlichen Weiten des Outbacks, des grossartigen Wetters, und der Koalas. Und es muss eindeutig gesagt werden: Australien erfuellt alle diese Klischees auf's Beste (auch wenn ich anfangs ein wenig Aerger mit dem Wetter hatte, aber ich bin jetzt fast 3 Monate regenfrei). Was die Natur, die Landschaften, die Tierwelt angeht, kann vor allem Europa nur schwer mithalten, und man kommt oft aus dem Staunen nur schwer heraus. Durch die Moeglichkeiten, die mein Auto mir geboten hat, hatte ich die Chance, viele dieser Wunder zu erkunden. Und auch wenn man haeufig ueber Stunden und Stunden und Stunden durch sich nicht veraendernde Landschaft faehrt... Selbst das ist an sich schon ein Wunder wenn man von einem Kontinent kommt wo man keine 10km in eine Richtung laufen kann ohne auf einen Ort zu treffen. Die Tiere die man so trifft sind faszinierend, vor allem, worueber weniger gesprochen wird, das Unterwasserleben. Haie, Wale, Schildkroeten, Rochen... der Zauber Australiens liegt am und im Wasser und es ist unmoeglich sich dem zu entziehen. Was natuerliche Schoenheit angeht ist dieser Kontinent ein einziges Spektakel, und ich hatte noch nicht mal die Gelegenheit einige der weiteren Highlights zu sehen (wie Tasmanien oder den hoechsten Norden).

Trotzdem werde ich Australien nur mit einem weinenden Auge verlassen. Ich habe meine Zeit hier geliebt, allerdings gibt es etwas, dass mir, vor allem in den letzten Wochen, den Aufenthalt ein wenig versauert hat, und das ist die Kultur (oder eher Unkultur) der Australier selber. Australier sind verdammt offene Leute: Sie sind gastfreundlich, sehr sozial, sehr hilfsbereich. Auch herrscht fuer alles, was ich zu kritisieren habe, eine starke Zweiteilung zwischen Stadt und Land vor: Melbourne und Sydney sind zwei der schoensten und internationalsten Staedte der Welt. Sobald man diese Staedte jedoch verlaesst, und sich auf das laendliche Australien einlaesst... ist man mehr als nur ein wenig geschockt. Deutlich wird das vor allem hier oben in Darwin und dem Norden, der sogar von anderen Australiern sehr negativ betrachtet wird, aber die Probleme die hier sehr stark vorherrschen sind durch das ganze Land zu spueren. Sie lassen sich fuer mich vor allem unter zwei Punkten zusammenfassen (und auch andere Reisende nehmen daran anstoss): Kulturlosigkeit und Rassismus.

Zunaechst vielleicht zum Zweiten, weil es fuer ein Einwandererland ziemlich unwahrscheinlich sein sollte: nur wenige Familien sind seit mehr als drei Generationen in Down Under, die meisten davon sind sogar Chinesisch. Wie kann eine Bevoelkerung, die sich so sehr ihrer Migrationsvergangenheit bewusst ist, rassistisch sein? Bis in die 70er offiziell und weit darueber hinaus inoffiziell gab es das Leitbild des Weissen Australiens: nur wer weiss und englischer Abstammung war galt als echter "Australier". Diese Einstellung, wenn auch inzwischen politisch ueberholt, hat sich in sehr vielen Koepfen bis heute gehalten. Darum schiebt Australien jetzt Fluechtlinge in Auffanglager auf Malaysia ab (wo sie keine Rechte haben, da das Land die Fluechtlingskonventionen nicht unterschrieben hat). Darum hoert man an jeder Ecke "Ich bin ja nicht rassistisch, aber ...[rassistische Aussage hier einsetzen]". Selbst ich durfte mich von Gaesten bei McDonalds fuer meine Herkunft beschimpfen lassen (eine sehr interessante Erfahrung, mal auf dieser Seite der Aggression zu stehen), die vielen Asiaten und Inder in Australien haben noch Schlimmeres zu ertragen. Allerdings gibt es eine Bevoelkerungsgruppe, die wie keine andere unter dem latenten Rassismus zu leiden hat: die Aboriginies, die Ureinwohner Australiens. Der Hass und die Verachtung, die ihnen von vielen weissen Australiern entgegen schlagen, ist einfach schmaechlich. Zwar hat die Regierung sich endlich fuer die Misshandlungen der Vergangenheit entschuldigt, allerdings Leben sie immer noch am untersten Rand der Gesellschaft. Viele Aboriginies haben ein starkes Alkoholproblem, viele zeigen ein sehr aggressives Verhalten. Allerdings sind dies nur die Ureinwohner, die aus ihrer eigenen Gesellschaft genau aus diesen Gruenden ausgestossen wurden, und jetzt in den Staedten rumlungern. Ausserdem ist der Grund bei vielen, dass sie zur "Verlorenen Generation" angehoeren: in den 50ern und 60ern hat die Regierung versucht, die Aboriginies zu integrieren, indem sie Kinder von ihren Eltern trennt und in weisse Pflegefamilien oder Heime steckt. Die Narben sitzen tief. Und die Folge: Weisse Australier meiden und fuerchten die Aboriginies, beschimpfen sie, schliessen sie aus der Gesellschaft aus, verachten sie aufs Tiefste, sehr undifferenziert. Eine meiner letzten Beobachtungen in Darwin war das Aufeinandertreffen von zwei Polizisten mit einer Gruppe aelterer Aboriginies, wobei Erstere mit unheimlicher Aggression die Letzteren dazu aufforderten, doch die Bushaltestelle zu verlassen, sie seien betrunken (Beweise fehlten, war einfach eine Annahme). Als die Aboriginies Respekt einforderten (sie waren sehr viel aelter), kam nur ein aggressives "Ich bin nicht von eurer Kultur, ich muss dich gar nicht respektieren, aber du musst mich respektieren, aufgrund meiner Stellung". Als die Aboriginies sich dann meckernd davon machten, bekamen sie zu hoeren dass sie gefaelligst still sein sollten, immerhin bezahlten sie keine Steuern. Die Antwort konnte ich nicht hoeren, aber sie fuehrte dazu dass die beiden Polizisten einen der Aborignies zu Boden warfen und Handschellen anlegten, dann 10min liegen liessen mit eingebauten Beschimpfungen, bis dann ein Polizeiauto mit Gitterkasten im Heck (wie ein Hundefaenger) kam und den Gefangenen ins Gefaengnis brachte. Einfach entwuerdigend. Die ganze Szene war von den beidne Polizisten ganz offensichtlich auf dieses Ergebnis ausgerichtet, sie waren von Anfang an aggressiv, uneinfuehlsam, authoritativ. Ich hab in der selben Nacht noch zwei Verhaftungen von Aboriginies gesehen. Und die Verhaftungen sind am Ende das, woran die Weissen ihr Bild von den Aboriginies festmachen. Eine sich selbst erfuellende Prophezeiung: Ich bin aggresiv weil ich denke dass ich dich festnehmen muss, und damit beeinflusse ich dein Verhalten so, dass ich es auch wirklich muss.

Die andere Sache, die mir waehrend der ganzen Reise in Australien schwer im Magen lag, ist die Kulturlosigkeit. Zuerst dachte ich, es bezieht sich nur auf die Hochkultur: Opern gibt es nur 3 im Land, Theater sind eine Seltenheit, es gibt zwei Galerien pro groesserer Stadt und ein Museum, kaum klassische Musik, wenig gute Buecher. Es gibt Millionen von Kriegsdenkmaelern (man hat ja schliesslich am 2.WK teilgenommen), aber ich habe kein Denkmal fuer einen Einheimischen Schriftsteller gefunden. Das Interesse der Leute an diesen Dingen scheint auch sehr eingeschraenkt. Meist drehen sich Unterhaltungen mit Australiern (ausgenommen teilweise Sydney, Melbourne und Brisbane) um die Sachen, die ihnen wichtig sind: Autos, Parties, Fische, Haeuser, Frauen, Geld, und was die Aboriginies wieder angestellt haben. Und das die bloede Regierung jetzt eine Steuer erheben will um alternative Energiequellen zu staerken (wie koennen die bloss, bei den groessten Kohlereserven der Welt). Lebensziel: Gutbezahlter Job in einem physischen Job, Haus an der Kueste, 3 Autos, 3 Kinder, Bordercollie. Was daran erschreckt ist das scheinbare Fehlen einer Gegenbewegung, zumindest bei den jungen Leuten: Wenn man nach der Farbenvielfalt europaeischer Studenten oder Jugendlicher sucht, mit Punks, Goths, Linksintellektuellen etc wird man nach Melbourne verwiesen. Universitaetsbildung ist nicht wirklich wichtig, was zaehlt sind Kontakte, ein Dreitagekurs als Gabelstaplerfahrer oder irgendwas aehnliches, und man verdient genug um sich nie wieder im Leben weiterbilden zu muessen. Die Kulturlosigkeit zieht sich allerdings nicht nur durch diese etwas elitaeren Bereiche, sondern bis rein in die Medienkultur: In Darwin gibt es genau eine Zeitung, und die ist ein Schmierblatt gegen das die Bild wie linke Bildungslektuere aussieht. Fernsehwerbung aus Australien besteht meistens aus der Grossaufnahme eines Produktes und einer Stimme die dich anschreit du sollst es kaufen, es sei billig (ist es nicht). 50 Jahre Werbeforschung, dahin... Und das Fernsehprogramm? Kochsendungen (nicht dass Australier kochen koennten) und 70er Jahre amerikanische Serien. Wenn man die Einheimischen nach ihrer Kultur fragt hoert man: Surfen und Barbecue. Und dann geht man mal mit ihnen grillen, und was findet man: Elektrogrille. ELEKTROGRILLE. Ich habe nicht ein einziges Steak gefunden, dass von der Flamme gekuesst wurde. Alles in allem kann mal wohl sagen: Australien versucht so zu sein, wie sie sich die Amerikaner aus dem Fernsehen vorstellen, und schiessen am Ziel vorbei. Wie gesagt, sie sind verdammt nett, man kommt mit ihnen sehr gut aus (solange man gerne ueber Bier redet...Die Anzahl an betrunkenen Fahrern, die ich bei McDonalds bedienen musste, ist furchteinfloessend), sie helfen einem in jeder Lebenslage. Und natuerlich trifft es nicht auf alle zu, viele Australier sind hochgebildet, Reisen um die Welt, sind aufgeschlossen und multikulturell. Allerdings haben diese das selbe Bild von ihren Landsleuten und fliehen in die Staedte. Und natuerlich sind auch viele Europaer auch nicht sehr anders.

Im Endeffekt hat es das Gesamterlebnis allerdings nur minimal getruebt. Australien war einfach ein wundervolle Erfahrung, ein riesiges Abenteuer, und die schoenste Zeit die man ueberhaupt haben kann.
 Ich habe viel erlebt, unfassbar viel gesehen, wunderbare Menschen getroffen und Freunde gemacht, und unendlich viel gelernt, und ich liebe den Kontinent fuer das was er ist: Gross, wild, voll von Widerspruechen, aber unglaublich schoen. See yaaa, Australia

Freitag, 24. Juni 2011

Litchfield

Hallo liebe Fangemeinde,

nachdem ich die letzten Wochen hier in Darwin eher dem Arbeiten und Nichtstun gewidmet habe, gab es zum Abschluss noch einmal eine Attraktion zu besichtigen: Den Litchfield Nationalpark, gleich ausserhalb der Stadt. Da ich mein Auto letzte Woche endlich auf sehr unkomplizierte Weise verkauft habe (Bargeld auf die Hand... Australier sind einfacher als Deutsche), machten Aisha (mit der ich schon die Westkueste hochgereist bin) und ich eine Bustour mit. Erste Attraktion: die restliche Busbesatzung, die fast ausschliesslich aus betagten Australiern bestand, weshalb wir uns sehr wie auf einer Kaffeefahrt vorkamen. Zweite Attraktion: springende Krokodile! Saemtliche Gewaesser um Darwin sind mit Krokodilen verseucht, und die Einheimischen machen den Touristen eine Freunde, indem sie einen Knochen ueber das Wasser halten, und die 5m grossen Krokodile aus dem Wasser schiessen lassen. Ein schoenes Spektakel, weil die Tiere einfach unfassbar kraeftig und schoen sind, und wirklich sehr furchteinfluessend.

Adelaide River

Das erste Krokodil





Fast 6m lang



Da kommt man nicht raus...



 
Spring!
 Nachdem wir keine Knochen mehr hatten, ging es dann direkt in den Nationalpark, bekannt vor allem fuer seine wunderschoenen Wasserfaelle, in denen man (wenn sie denn von Krokodilen gereinigt sind) sogar schwimmen kann. Was dann so aussieht:







War recht voll

Sonnenuntergang mit Shrimps und Champagner



War auf jeden Fall ein sehr schoener letzter Trip in Down Under. 4 Tage noch in Australien! Ich schreibe die naechsten Tage noch ein umfassendes Fazit und einen Ueberblick ueber die naechsten 2 Monate, bevor ich wieder nach Hause komme, um dann (aha, es ist raus) nach St. Andrews in Schottland zu gehen, um dort meinen Master zu machen. Dazu mehr morgen oder uebermorgen!

Alles Liebe Euch allen!

Sonntag, 5. Juni 2011

Darwin II

Hallihalloele,

Alex ist immer noch in Darwin, und Alex war ganz faul, was das Schreiben angeht. Das tut mir auch wahnsinnig leid, ich rede mich jetzt einfach mal damit heraus, dass momentan nicht so sonderlich viel passiert. Tage verfliegen, Gitarre wird geuebt, Spanisch gelernt, Naechte als Nachtportier verbracht, Leute kennen gelernt... An einem Ort zu bleiben macht das ganze Reisen ein wenig alltaeglicher.

Habe bei McDonalds angefangen, um mir ein wenig Geld zu verdienen, der Job ist erstaunlich interessant. Man hoert immer sehr schreckliche Geschichten darueber, wie die Mitarbeiter behandelt werden, aber ehrlich gesagt laeuft es bei uns sehr nett. Fast alle Angestellten sind unter 18, weil McDonalds der einzige Arbeitgeber fuer Minderjaehrige ist. Umso erstaunlicher ist es, dass das Ganze so gut organisiert ist, dass es perfekt laeuft. Das Unternehmen ist ueber die Jahrzehnte so gut entwickelt worden und so professionalisiert, dass der einzige Mitarbeiter nicht mehr viel falsch machen kann, solange er sich an die Vorschriften haelt. Und es ist nie langweilig. Ich arbeite an der Kasse und am Autoschalter, und wenn gerade kein Kunde da ist, hilft man irgendwo anders aus. Meistens ist es eher so, dass man zu viel zu tun hat und mehrere Sachen gleichzeitig erledigt. Quasi viele einfache Aufgaben, die sich aber so laeppern, dass es doch fordert. Kein Job fuer die Ewigkeit, aber es ist sehr interessant mal hinter die Fassade zu gucken. Die Masse an Essen, die verschwendet wird, ist erschreckend, allerdings sind die Hygienestandards enorm. Ihr koennt also bedenkenlos zu Maccas gehen.

Aber wie bereits erwaehnt, an einem Ort bleiben macht traege, darum hab ich nach reichlicher Ueberlegung mein weitere Reiseroute geplant, Fluege sind schon gebucht: Zunaechst geht es fuer einen Tag nach Fiji (in 3 Wochen schon, am 27.6.!), von da aus nach Los Angeles (die Masse an Geld, die man sparen kann, wenn man sich einfach mit einer Karte hinsetzt und sich seine Fluege stueckchenweise zusammensucht ist unfassbar). Dann wird Californien erkundet, und Las Vegas natuerlich, bevor es dann weiter geht nach Mexico. Weiter ist die Planung noch nicht, aber die Aussicht auf neue Laender ist sehr verlockend, je mehr ich mich in Australien auf einem Fleck befinde, desto unsympathischer werden mir die Australier. Werd noch ein sehr ausfuehrliches Fazit meines Aufenthaltes hier ziehen, aber die Erkenntnis bisher ist einfach, dass ich das Land liebe, die Leute eher weniger. Aber mehr dazu beim naechsten Mal!

Gehabt euch wohl!
Alex

Dienstag, 10. Mai 2011

Darwin

Hallo liebe Fangemeinde,

bin immer noch in Darwin, gesund und munter und sehr guter Laune. Es ist nicht viel passiert in den letzten zwei Wochen, Darwin ist eine Stadt die zum Muessiggang verleitet: zwar geschieht nicht viel, aber das Wetter ist drueckend. Auch sind nicht zu viele touristische Aktivitaeten in der Stadt selber zu verzeichnen, es sei denn man mag gefangene Krokodile (die auch nur maessig gut schmecken). Ich arbeite momentan in der Jugendherberge in der ich wohne, so dass ich hier umsonst wohnen darf, und sehe mich derweil nach anderen Jobs um. Heisst ich wasche entweder die Bettwaesche oder, wie jetzt gerade, ich sitze nachts wach herum und passe auf, dass niemand die Jugendherberge klaut. Nach 4 Monaten im Auto ist es einfach schoen, mal wieder ein Bett zu haben. Da Darwin sehr dicht an Asien ist (viel dichter als am Rest von Australien), gibt es hier die schoene Tradition der Nachtmaerkte: Man bestaunt gemeinsam den Sonnenuntergang am Strand, und dann eroeffnen unzaehlige Fressbuden, Schausteller und Musiker praesentieren ihr koennen, und man kann eine ganze Menge Ramsch kaufen. Sehr erheiternd, vor allem, da wir einem ansonsten oft unterschaetzten Spektakel zusehen konnten: dem Untergang des Mondes, glutrot ins Meer versinkend, bis nur noch die Spitzen der Sichel aus dem Wasser ragen. Hat man  auch nicht alle Tage. Und wie immer, wenn es spannend wird, hab ich natuerlich keine Kamera dabei. Aber ich halte euch auf dem Laufenden und versorge euch bald wieder mit Bildmaterial.

Bis dahin lasst es euch gut gehen!

Euer Alex