Montag, 1. August 2011

Palenque und Chichen Itza

Hola,

nachdem ich letztes Mal zwei Staedte im Doppelpack beschrieben habe, gibt es heute Maya-Ruinen! Mexico ist voll damit, Yucatan, die Halbinsel auf der ich mich befinde, war das Zentrum der Maya-Kultur, und viele Staedte sind gut erhalten und gut zu besichtigen. Ich hab mich aus Zeitgruenden (und weil Steinruinen doch nicht sonderlich mit Abwechslung aufwarten wenn man jeden Tag welche sieht) dafuer entschieden, mich auf die beiden Bekanntesten zu beschraenken: Palenque und Chichen Itza.


Palenque wurde mir von vielen als eine der schoensten Attraktionen Mexicos angekuendigt, und von den Dingen, die ich gesehen habe, nimmt es auf jeden Fall einen sehr hohen Platz ein. Dabei ist es nicht einmal dass die Stadt sehr viel schoener waere als einige der anderen Ruinen. Palenque begeistert vor allem durch seine Lage: Zentralmexico besteht hauptsaechlich aus einer vulkanischen Bergkette im Zentrum, gruene Waelder und Maisfelder, und absolut flachem, dschungelartigem Tiefland in Richtung der Meere. Palenque liegt genau an der Stelle, wo die beiden sich treffen, mit den Bergen im Ruecken auf den ersten Auslaeufern, ein Meer aus Vegetation ueberschauend, und selber von dichtestem Dschungel umgeben und ueberwachsen. Man bekommt also die Mayas, wie man sie sich vorstellt: als Bezwinger eines tropischen Kontinents, den sie sich fruchtbar und gefuegig gemacht haben.Steinpyramiden vor Regenwald, mit Bruellaffen die sich im Hintergrund, naja, anbruellen halt, und sehr vielen Voegeln und dem Versprechen, dass noch mehr Geheimnisse im Gruenen lauern.






Tempel der Inschriften



Das ganze Ding war mal rot

Der Dschungel holt sichs zurueck










Chichen Itza ist anders. Und das nicht nur, weil es komplett mit Touris ueberrannt ist. Chichen Itza ist die am besten erkundete Maya-Stadt, und Ursprungsort vieler Mythen ueber die Mayas und ihren Kalender und andere Faehigkeiten, die ihnen zu recht oder unrecht zugeschrieben werden (Fuer die Mayas geht die Welt alle 52 Jahre unter. 2012 ist nicht anders als 1960.). Herzstueck ist eine grosse Pyramide, in der eine kleinere Pyramide drin ist (warum auch immer) und deren Aussenwaende so geformt sind, dass sie die jegliches Geraeusch, dass in der Naehe gemacht wird, verstaerken und als verzerrtes Echo zurueckwerfen. Darum sieht man hunderte von Reisegruppen um sie rumstehen und klatschen, das Echo klingt wie der Schrei eines Vogels. Wenn man oben auf der Pyramide steht und etwas sagt, wird es so laut das mehrere Tausend Mayas am Fusse der Pyramide denken, man waere eine Gottheit, weil man so laut sprechen kann und die eigene Stimme ueberall ist. Ziemlich clevere Idee also. Neben hunderten anderer Tempel und Markthallen enthaelt die Stadt ausserdem den groessten Ballsportplatz Mittelamerikas (alle Kulturen hier verbindet das rituelle Ballspiel, bei dem am Ende der Gewinner oder Verlierer oder beide geopfert wurden) und einen See, in dem man die Ueberreste hunderter Menschen samt Schmuck, Grabbeigaben, Opfergeschenken etc. gefunden hat und durch den man heute das Leben der Mayas ganz gut rekonstruieren kann. Ausserdem gibt es alle moeglichen Gebaeude, die zu den Sonnenwenden irgendwas Cooles machen, die Stadt ist quasi ein sehr grosser Jahreskalender. Chichen Itza hat nicht Palenques Dschungel-Charm, aber ist sehr viel groesser und erhabener und gibt einen guten Einblick in die Macht, die viele der Stadtstaaten der Mayakultur ueber Jahrhunderte angesammelt haben. Die Mayas sind uebrigens nie verschwunden, im Gegensatz zu anderen Hochkulturen. Sie haben nur irgendwann ihre grossen Staedte verlassen und sich entweder in kleinen Dorfgemeinschaften angesiedelt oder zwar in den Staedten gelebt, aber aufgehoert zu bauen. Eine der schoensten Theorien: Nur eine ganz kleine Gemeinde von Priestern pro Stadt konnte lesen, rechnen und die Sterne bestimmen und so, die Masse der Leute war voellig damit beschaeftigt irgendwie etwas zu essen zu beschaffen und Steinpyramiden zu bauen. Naja, und irgendwann sind dann die Priester aus irgendeinem Grund gestorben (Revolution, Krankheit, Tyrannenmord, oder was auch immer) und die Ueberlebenden waren nicht dazu in der Lage, ihre eigene Schriftsprache zu rekonstruieren. Ein Hoch auf die allgemeine Schulbildung!

Tempel der tausend Saeulen

O gewinnt


Observatorium

Blattschneideameisen



Opfersee

Grosser Pyramide




Am 21.9. jedes Jahres geht die Sonne genau zwischen den Saeulen unter



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