Hallo,
OK, angesichts der Tatsache dass ich die letzten 2 Wochen ueberhaupt nichts geschrieben habe, da Falk und ich staendig unterwegs waren, wird dieser Eintrag sehr lang und recht umfassend. Ich versuche meine Ausfuehrungen kuerzer zu halten als normal, kann aber nichts versprechen! Aber ist die Aufmerksamkeit alle mal wert!
Kingston und Blue Mountains
Los geht das Erlebnis am Flughafen von Kingston, wo man sehr schnell herausfindet, dass offizielle Landessprache und tatsaechlich gesprochene Sprache hier Meilen voneinander entfernt sind. Zwar reden die meisten Menschen das offizielle Englisch, aber die Umgangssprache ist Patois, ein kreolische Verballhornung des Englischen, die sich rasant entwickelt und dem Aussenstehenden keine Chance laesst. Also mit Haenden und Fuessen einen Bus erfragt, in dem die naechste Ueberraschung wartet: Statt des erwarteten Reggae und Dancehall laufen... Gospellieder. Hunderte. Jesus ueberall. Der naechste Busfahrer hatte ein bisschen mehr Erbarmen, was nicht viel half angesichts des Strassenpredigers der im Bus versuchte, die Leute zum Lobpreisen zu animieren. Dies war deshalb so unerwartet, weil Kingston den Ruf einer der gewalttaetigsten und gefaehrlichsten Staedte der Wel hat, sich die Populaermusik nur mit grossen Waffen und breiten Hintern befasst und Drogen allgegenwaertig sind. Trotzdem die meisten Kirchen pro Einwohner auf der Welt. Dementsprechend war unser erster Tag auch ziemlich irritierend, denn es war Sonntag, und die gesamte Stadt stand still. Niemand in den Strassen, keine Geschaefte offen, aber in allen Richtungen Gottesdienste. Auch Verbrecher verdienen einen Tag Ruhe.
Kingston selber ist nicht uebermaessig spektakulaer, Downtown war trotz seines sehr schlechten Rufes sehr interessant zu durchstreifen, einfach weil (unter der Woche) sehr viel los ist, ausserdem ist die Architektur sehr bunt, karibisch, wenn man auch die Armut sehr deutlich sieht. Abends noch zum Strand, frischen Fisch essen Am zweiten Tag dann ins Bob Marley Museum, das ehemalige Wohnhaus des Reggaegottes besichtigen und sehen, wo der Meister sich ganz meisterhaft dem Marihuana hingegeben hat. Eine sehr lebhafte Tour, viel Gesang und gute Laune. Anschliessend nach Port Royal, im 17. Jh. die Hochburg der Piraterie, bis ein Erdbeben dem ungesetzlichen Treiben Einhalt gebot und fast die gesamte Stadt im Meer versank.
Nachdem wir den Moloch Kingston dann hinter uns gelassen haben, ging es ab ins Gebirge, die Blue Mountains, Jamaicas hoechste Bergkette und Heimat des teuersten Kaffees der Welt. Nach einer sehr amuesanten Auffahrt, das letzte Stueck im Jeep, kamen wir bei Jah B an. Jah B ist ein alter Rastafari, der neben seiner Kaffeeplantage auch ein Gaestehaus besitzt, in dem er gestresste Weisse bewirtet, die dann umsonst auf seiner Farm arbeiten. Neben Jah B's Kochkuensten - alles I-Tal, also nach den Regeln der Rastafari-Religion vegan zubereiet - sorgt vor allem die voellige Abgeschiedenheit in dieser gruenen Bergwelt fuer ein fast unwirkliches Gefuehl der Zeitlosigkeit. Ganz so zeitlos war es dann doch nicht: morgens um 2 Uhr wird man von einem grummeligen Rastaman aus dem Bett geworfen, und auf geht's zum absoluten Highlight dieser Etappe: die 6km Marsch im Lichte der Taschenlampen und allgegenwaertigen Leuchtkaefer zum Gipfel des Blue Mountain Peak, des hoechsten Berges Jamaicas, um rechtzeitig um 5:30 zum Sonnenaufgang oben zu sein. Bei guten Wetter sieht man anscheinend Kuba, aber wir hatten ein faszinierendes Farbenspiel, als die Sonne ueber den Wolken aufging und die gruenen Berge, die Kaffeeplantagen und Wolken in ein Meer aus rotem und gelben Licht verwandelte. Auf dem Rueckweg dann die Erkenntnis, durch welche Schoenheit wir auch nachts unwissend gewandert sind: Hochregenwald, Kaffeeplantagen, eine irre Vielfalt an verschiedenen Pflanzen. Nachmittags dann noch Jah B's eigenen Wasserfall erforscht. Das ganze Erlebnis in den Bergen gehoert definitiv zu unseren Lieblingsmomenten dieser Reise!
Ocho Rios und Negril
Nach einer sehr kurvigen Rueckfahrt aus dem Gebirge und einer Einfuehrung in das jamaikanische Bussystem (Bus faehrt los wenn er voll ist. Voll heisst 5 Leute pro 4 Sitze.) erreichten wir Ocho Rios, an der Nordkueste (Kingston ist im Sueden der Insel). Die Fahrt quer durch die sehr schmale Insel war optisch ein Fest, so viele Berge, alles gruen, herrlich. Da kann man glatt auf jegliches Mindestmass an Bequemlichkeit verzichten. In Ocho Rios fiel uns das erste Mal eine Tatsache auf, die uns den Rest des Urlaubs begleiten sollte: August ist Nebensaison. Oder eher, die kleine Schwester der Nebensaison. Die Staedte der Nordkueste, sonst Ziel saemtlicher Kreuzfahrtschiffe und Resorttouristen der Karibik, waren einfach leergefegt. Besser fuer uns, allerdings auch ein wenig langweilig, da man ueberall die selben 4-5 Leute trifft und das Unterhaltungsprogramm in den Staedten sehr runtergefahren ist. Ausserdem faellt man mehr auf, was angesichts der immensen Zahl junger und mittelalter jamaikanischer Maenner, die ihr Geld mit dem Verkauf von Taxifahrten/Essen/Drogen an die Touristen verdienen, eher unangenehm ist. In Ocho Rios war nicht viel los, aber wir haben die Zeit gut genutzt, zunaechst mit dem Besuch des Fern Gullys, eines ehemaligen Flusslaufes und jetzt Strasse, dessen Seitenhaenge ueber und ueber mit Farn und anderen Gewaechsen bedeckt sind. Hier trafen wir Carl den Gewuerzmann, ein alter Kauz der Touristen herumfuehrt und ihnen die verschiedenen Pflanzen erklaert. Lustiger Bursche, und da die Strasse gerade saniert wird waren wir auch ganz allein. Nachmittags sollte es dann zu den Dunn River Falls gehen, angeblich die schoensten Wasserfaelle der Karibik, aber zum ersten und einzigen Mal kam uns der Regen in die Quere, so dass wir zu spaet kamen und nicht mehr reingelassen wurden. Haben dafuer einen kleinen Wasserfall am Meer entdeckt und dort gebadet, war auch schoen.
Wir uebersprangen Montego Bay, die All-Inclusive-Tourismus-Hauptstadt Jamaicas, und machten uns direkt auf zu deren kleiner Schwester, Negril. Negril hat zu irgendeinem Zeitpunkt mal einen der schoensten Straende der Karibik gehabt, von dem allerdings aufgrund der schieren Masse an Hotels nicht mehr unendlich viel uebrig ist. Die Dichte an Marihuanaverkaeufern ist nochmal um Einiges hoeher, um den Bedarf der amerikanischen und europaeischen Spasstouristen auch gerecht werden zu koennen. Also eher nervig als schoen, auch wenn der Sonnenuntergang hier an der Westkueste sehr beeindruckend ist. Wir machten uns lieber mit dem Drahtesel auf in die Huegel um Negril herum (und wenn die Huegel sagen meinen die Berge. Ich hasse Fahrraeder.) Zunaechst zum Royalen Palmenreservat, einem Naturschutzgebiet des hiesigen Sumpflandes, interessant zu sehen. Nach einem steten auf und ab kamen wir dann zum Blue Hole, einem 8m tiefen Loch im Boden mit azurblauem Wasser, in das man sich ganz entspannt hinunterfallen lassen kann. Nachdem er mich ein paar Mal hat fallen sehen, kam Falk dann auch hinterhergesprungen. Nach dieser Erfrischung zurueck auf's Rad und weiter, in grossen Schleifen und ueber Berg und Tal, vorbei an verlassenen Traumstraenden und kleinen Fischerdoerfchen, bis zum Leuchtturm von Negril, von ein alter Jamaikaner fuer Geld sich 15m von den Klippen stuerzt. Nach einem weiteren beeindruckenden Sonnenuntergang ging's dann wieder in die Heia. Der naechste Tag ging dann dafuer drauf, dass sich Falk Dreadlocks wollte machen lassen. Das ganze Experiment... ging ein wenig nach hinten los, bzw die Friseurin hatte andere Vorstellungen als er...
Black River und Treasure Beach
Kommen wir auch schon zur letzten Etappe unserer Reise. Black River ist ein verschlafenes kleines Oertchen, in dem nicht allzu viel passiert. Allerdings kann man zu den nahe gelegenen YS Wasserfaellen, was wir auch direkt getan haben. Die Fotos sagen alles, war super schoen. Am naechsten Tag dann auf Bootstour, den Black River hoch, weil die angrenzenden Feuchtgebiete und Suempfe das Habitat der auf Jamaica lebenden Krokodile sind! Hatten leider nicht unfassbar viel Glueck, nur ein eher traeges Krokodil gab sich die Bloesse, aber die Fahrt auf dem Fluss allein durch Mangrovensuempfe war schon eine Attraktion fuer sich!
Unsere letzte Station, Treasure Beach, ist so klein und entspannt, dass wir eigentlich nicht mehr viel gemacht haben, ausser am Strand zu liegen und den Gewittern dabei zuzugucken, wie sie uns grosszuegig umrunden. Generell hatten wir ein riesiges Glueck mit dem Wetter. Vielleicht 2 Tage, an denen es wirklich geregnet hat, obwohl wir eigentlich jeden Tag massive Gewitter beobachten konnten, die sich meist in Hoerweite entluden, und dann auf mysterioese Weise einfach verschwanden.
Jamaica ist ein gruenes Juwel, mit einer ganz einzigartigen Kultur. Irgendwo zwischen ehemaligem Sklaventum, moderner Armut weiter Bevoelkerungsschichten, Geld durch Tourismus und Aluminiumproduktion, entstand ein Wirrwarr an verschiedenen Subkulturen, die sich immer wieder neu definieren. Der Reggae, der so viele Europaer nach Jamaica zieht, ist zwar historisch allgegenwaertig, Bob Marley's Gesicht ziert jedes 2. T-Shirt, aber zu Falk's Verdruss veraendert die jamaikanische Musikszene sich mit Schallgeschwindigkeit, so dass wir auf den Live-Reggae am Strand verzichten mussten. Viele Dinge sind sehr ernuechternd: Viele Einheimische moegen Weisse nicht sonderlich, sehen in uns hauptsaechlich eine Geldquelle, die sehr aggressiv angezapft wird. Vor allem der allgegenwaertige Drogenverkauf ist extrem laestig. Auf der anderen Seite trifft man, sobald man die Touristenzentren verlaesst, viele sehr liebe Menschen, die sehr darum bemueht sind einem zu helfen und den Aufenthalt so angenehm wie moeglich zu gestalten. Kommt man noch tiefer ins Gebirge als wir es getan haben, trifft man weltabgewandte Rastas und alle moeglichen anderen Gestalten, die sich dem Kommerz, der die Straende verdirbt, entziehen wollen. Allgegenwaertig ist die starke Religiositaet vieler Menschen und der krasse Gegensatz zwischen zuegelloser Jugendkultur und Priestern, die mit Jesu Hilfe Wunderheilungen vollbringen. Alles in allem, ein unsagbar vielschichtiges Land, das zu verstehen sehr viel mehr als zwei Wochen benoetigen wuerde. Aber es war sehr lehrreich, an der Oberflaeche zu kratzen und an dem Bild, dass sich den meisten Touristen bietet - Sonne, Strand, Palmen und Spass - vorbeisehen zu koennen. Wir haben es sehr genossen.
OK, angesichts der Tatsache dass ich die letzten 2 Wochen ueberhaupt nichts geschrieben habe, da Falk und ich staendig unterwegs waren, wird dieser Eintrag sehr lang und recht umfassend. Ich versuche meine Ausfuehrungen kuerzer zu halten als normal, kann aber nichts versprechen! Aber ist die Aufmerksamkeit alle mal wert!
Kingston und Blue Mountains
Los geht das Erlebnis am Flughafen von Kingston, wo man sehr schnell herausfindet, dass offizielle Landessprache und tatsaechlich gesprochene Sprache hier Meilen voneinander entfernt sind. Zwar reden die meisten Menschen das offizielle Englisch, aber die Umgangssprache ist Patois, ein kreolische Verballhornung des Englischen, die sich rasant entwickelt und dem Aussenstehenden keine Chance laesst. Also mit Haenden und Fuessen einen Bus erfragt, in dem die naechste Ueberraschung wartet: Statt des erwarteten Reggae und Dancehall laufen... Gospellieder. Hunderte. Jesus ueberall. Der naechste Busfahrer hatte ein bisschen mehr Erbarmen, was nicht viel half angesichts des Strassenpredigers der im Bus versuchte, die Leute zum Lobpreisen zu animieren. Dies war deshalb so unerwartet, weil Kingston den Ruf einer der gewalttaetigsten und gefaehrlichsten Staedte der Wel hat, sich die Populaermusik nur mit grossen Waffen und breiten Hintern befasst und Drogen allgegenwaertig sind. Trotzdem die meisten Kirchen pro Einwohner auf der Welt. Dementsprechend war unser erster Tag auch ziemlich irritierend, denn es war Sonntag, und die gesamte Stadt stand still. Niemand in den Strassen, keine Geschaefte offen, aber in allen Richtungen Gottesdienste. Auch Verbrecher verdienen einen Tag Ruhe.
Kingston selber ist nicht uebermaessig spektakulaer, Downtown war trotz seines sehr schlechten Rufes sehr interessant zu durchstreifen, einfach weil (unter der Woche) sehr viel los ist, ausserdem ist die Architektur sehr bunt, karibisch, wenn man auch die Armut sehr deutlich sieht. Abends noch zum Strand, frischen Fisch essen Am zweiten Tag dann ins Bob Marley Museum, das ehemalige Wohnhaus des Reggaegottes besichtigen und sehen, wo der Meister sich ganz meisterhaft dem Marihuana hingegeben hat. Eine sehr lebhafte Tour, viel Gesang und gute Laune. Anschliessend nach Port Royal, im 17. Jh. die Hochburg der Piraterie, bis ein Erdbeben dem ungesetzlichen Treiben Einhalt gebot und fast die gesamte Stadt im Meer versank.
| Kingstons Innenstadt am Sonntag |
| Leere Marktstaende |
| Strand bei Kingston (hier sind all die Leute am Sonntag) |
| Die Maedels wollten erst weggehen als wir ihnen sagten wir seien bereits anderweitig verheiratet |
| Bob Marley Museum |
| Bildunterschrift hinzufügen |
Nachdem wir den Moloch Kingston dann hinter uns gelassen haben, ging es ab ins Gebirge, die Blue Mountains, Jamaicas hoechste Bergkette und Heimat des teuersten Kaffees der Welt. Nach einer sehr amuesanten Auffahrt, das letzte Stueck im Jeep, kamen wir bei Jah B an. Jah B ist ein alter Rastafari, der neben seiner Kaffeeplantage auch ein Gaestehaus besitzt, in dem er gestresste Weisse bewirtet, die dann umsonst auf seiner Farm arbeiten. Neben Jah B's Kochkuensten - alles I-Tal, also nach den Regeln der Rastafari-Religion vegan zubereiet - sorgt vor allem die voellige Abgeschiedenheit in dieser gruenen Bergwelt fuer ein fast unwirkliches Gefuehl der Zeitlosigkeit. Ganz so zeitlos war es dann doch nicht: morgens um 2 Uhr wird man von einem grummeligen Rastaman aus dem Bett geworfen, und auf geht's zum absoluten Highlight dieser Etappe: die 6km Marsch im Lichte der Taschenlampen und allgegenwaertigen Leuchtkaefer zum Gipfel des Blue Mountain Peak, des hoechsten Berges Jamaicas, um rechtzeitig um 5:30 zum Sonnenaufgang oben zu sein. Bei guten Wetter sieht man anscheinend Kuba, aber wir hatten ein faszinierendes Farbenspiel, als die Sonne ueber den Wolken aufging und die gruenen Berge, die Kaffeeplantagen und Wolken in ein Meer aus rotem und gelben Licht verwandelte. Auf dem Rueckweg dann die Erkenntnis, durch welche Schoenheit wir auch nachts unwissend gewandert sind: Hochregenwald, Kaffeeplantagen, eine irre Vielfalt an verschiedenen Pflanzen. Nachmittags dann noch Jah B's eigenen Wasserfall erforscht. Das ganze Erlebnis in den Bergen gehoert definitiv zu unseren Lieblingsmomenten dieser Reise!
| Bananenpflanze |
| Sonnenuntergang |
| Warten auf die Sonne |
| Die Hunde sind uns einfach den ganzen Weg gefolgt |
| Falk, Halbakt |
| Suchbild |
| Blick von unserer Huette |
| Unsere Huette, stilecht mit Ratten |
Ocho Rios und Negril
Nach einer sehr kurvigen Rueckfahrt aus dem Gebirge und einer Einfuehrung in das jamaikanische Bussystem (Bus faehrt los wenn er voll ist. Voll heisst 5 Leute pro 4 Sitze.) erreichten wir Ocho Rios, an der Nordkueste (Kingston ist im Sueden der Insel). Die Fahrt quer durch die sehr schmale Insel war optisch ein Fest, so viele Berge, alles gruen, herrlich. Da kann man glatt auf jegliches Mindestmass an Bequemlichkeit verzichten. In Ocho Rios fiel uns das erste Mal eine Tatsache auf, die uns den Rest des Urlaubs begleiten sollte: August ist Nebensaison. Oder eher, die kleine Schwester der Nebensaison. Die Staedte der Nordkueste, sonst Ziel saemtlicher Kreuzfahrtschiffe und Resorttouristen der Karibik, waren einfach leergefegt. Besser fuer uns, allerdings auch ein wenig langweilig, da man ueberall die selben 4-5 Leute trifft und das Unterhaltungsprogramm in den Staedten sehr runtergefahren ist. Ausserdem faellt man mehr auf, was angesichts der immensen Zahl junger und mittelalter jamaikanischer Maenner, die ihr Geld mit dem Verkauf von Taxifahrten/Essen/Drogen an die Touristen verdienen, eher unangenehm ist. In Ocho Rios war nicht viel los, aber wir haben die Zeit gut genutzt, zunaechst mit dem Besuch des Fern Gullys, eines ehemaligen Flusslaufes und jetzt Strasse, dessen Seitenhaenge ueber und ueber mit Farn und anderen Gewaechsen bedeckt sind. Hier trafen wir Carl den Gewuerzmann, ein alter Kauz der Touristen herumfuehrt und ihnen die verschiedenen Pflanzen erklaert. Lustiger Bursche, und da die Strasse gerade saniert wird waren wir auch ganz allein. Nachmittags sollte es dann zu den Dunn River Falls gehen, angeblich die schoensten Wasserfaelle der Karibik, aber zum ersten und einzigen Mal kam uns der Regen in die Quere, so dass wir zu spaet kamen und nicht mehr reingelassen wurden. Haben dafuer einen kleinen Wasserfall am Meer entdeckt und dort gebadet, war auch schoen.
Wir uebersprangen Montego Bay, die All-Inclusive-Tourismus-Hauptstadt Jamaicas, und machten uns direkt auf zu deren kleiner Schwester, Negril. Negril hat zu irgendeinem Zeitpunkt mal einen der schoensten Straende der Karibik gehabt, von dem allerdings aufgrund der schieren Masse an Hotels nicht mehr unendlich viel uebrig ist. Die Dichte an Marihuanaverkaeufern ist nochmal um Einiges hoeher, um den Bedarf der amerikanischen und europaeischen Spasstouristen auch gerecht werden zu koennen. Also eher nervig als schoen, auch wenn der Sonnenuntergang hier an der Westkueste sehr beeindruckend ist. Wir machten uns lieber mit dem Drahtesel auf in die Huegel um Negril herum (und wenn die Huegel sagen meinen die Berge. Ich hasse Fahrraeder.) Zunaechst zum Royalen Palmenreservat, einem Naturschutzgebiet des hiesigen Sumpflandes, interessant zu sehen. Nach einem steten auf und ab kamen wir dann zum Blue Hole, einem 8m tiefen Loch im Boden mit azurblauem Wasser, in das man sich ganz entspannt hinunterfallen lassen kann. Nachdem er mich ein paar Mal hat fallen sehen, kam Falk dann auch hinterhergesprungen. Nach dieser Erfrischung zurueck auf's Rad und weiter, in grossen Schleifen und ueber Berg und Tal, vorbei an verlassenen Traumstraenden und kleinen Fischerdoerfchen, bis zum Leuchtturm von Negril, von ein alter Jamaikaner fuer Geld sich 15m von den Klippen stuerzt. Nach einem weiteren beeindruckenden Sonnenuntergang ging's dann wieder in die Heia. Der naechste Tag ging dann dafuer drauf, dass sich Falk Dreadlocks wollte machen lassen. Das ganze Experiment... ging ein wenig nach hinten los, bzw die Friseurin hatte andere Vorstellungen als er...
| Royal Palm Reserve |
| Morast |
| Blue Hole |
| Jurassic Park Skulpturenpark |
| Fliegender Jamaikaner |
| Kann ich auch! |
Black River und Treasure Beach
Kommen wir auch schon zur letzten Etappe unserer Reise. Black River ist ein verschlafenes kleines Oertchen, in dem nicht allzu viel passiert. Allerdings kann man zu den nahe gelegenen YS Wasserfaellen, was wir auch direkt getan haben. Die Fotos sagen alles, war super schoen. Am naechsten Tag dann auf Bootstour, den Black River hoch, weil die angrenzenden Feuchtgebiete und Suempfe das Habitat der auf Jamaica lebenden Krokodile sind! Hatten leider nicht unfassbar viel Glueck, nur ein eher traeges Krokodil gab sich die Bloesse, aber die Fahrt auf dem Fluss allein durch Mangrovensuempfe war schon eine Attraktion fuer sich!
| YS Wasserfaelle |
| Krokodil |
Unsere letzte Station, Treasure Beach, ist so klein und entspannt, dass wir eigentlich nicht mehr viel gemacht haben, ausser am Strand zu liegen und den Gewittern dabei zuzugucken, wie sie uns grosszuegig umrunden. Generell hatten wir ein riesiges Glueck mit dem Wetter. Vielleicht 2 Tage, an denen es wirklich geregnet hat, obwohl wir eigentlich jeden Tag massive Gewitter beobachten konnten, die sich meist in Hoerweite entluden, und dann auf mysterioese Weise einfach verschwanden.
Jamaica ist ein gruenes Juwel, mit einer ganz einzigartigen Kultur. Irgendwo zwischen ehemaligem Sklaventum, moderner Armut weiter Bevoelkerungsschichten, Geld durch Tourismus und Aluminiumproduktion, entstand ein Wirrwarr an verschiedenen Subkulturen, die sich immer wieder neu definieren. Der Reggae, der so viele Europaer nach Jamaica zieht, ist zwar historisch allgegenwaertig, Bob Marley's Gesicht ziert jedes 2. T-Shirt, aber zu Falk's Verdruss veraendert die jamaikanische Musikszene sich mit Schallgeschwindigkeit, so dass wir auf den Live-Reggae am Strand verzichten mussten. Viele Dinge sind sehr ernuechternd: Viele Einheimische moegen Weisse nicht sonderlich, sehen in uns hauptsaechlich eine Geldquelle, die sehr aggressiv angezapft wird. Vor allem der allgegenwaertige Drogenverkauf ist extrem laestig. Auf der anderen Seite trifft man, sobald man die Touristenzentren verlaesst, viele sehr liebe Menschen, die sehr darum bemueht sind einem zu helfen und den Aufenthalt so angenehm wie moeglich zu gestalten. Kommt man noch tiefer ins Gebirge als wir es getan haben, trifft man weltabgewandte Rastas und alle moeglichen anderen Gestalten, die sich dem Kommerz, der die Straende verdirbt, entziehen wollen. Allgegenwaertig ist die starke Religiositaet vieler Menschen und der krasse Gegensatz zwischen zuegelloser Jugendkultur und Priestern, die mit Jesu Hilfe Wunderheilungen vollbringen. Alles in allem, ein unsagbar vielschichtiges Land, das zu verstehen sehr viel mehr als zwei Wochen benoetigen wuerde. Aber es war sehr lehrreich, an der Oberflaeche zu kratzen und an dem Bild, dass sich den meisten Touristen bietet - Sonne, Strand, Palmen und Spass - vorbeisehen zu koennen. Wir haben es sehr genossen.
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