Sonntag, 3. Oktober 2010

Himalaya!

Namaste,

ich entschuldige mich vielmals fuer die fast einwoechige Pause, aber leider gibt es im Hochgebirge nur sporadisch Internet, dafuer hab ich jetzt umso mehr zu erzaehlen. Denn was fuer eine Woche!

Das Himalaya ist einfach GIGANTISCH. Das klingt jetzt irgendwie lahm, weil jeder weiss dass es das hoechste Gebirge der Welt ist, aber man hat keinerlei Vorstellung was das heisst, bis man es nicht sieht (Fotos folgen so schnell wie moeglich). Aber der Reihe nach.

Nachdem Andy und ich Amritsar verlassen haben, gings per Zug an den Fuss des Gebirges und dann mit dem Bus ganz tief hinein. Die Busfahrt, und alle folgenden, waren fuer sich schon ein unvergessliches Erlebnis: Das, was optimistische Zeitgenossen euphemistisch als "Strasse" bezeichnen wuerden, ist selten breit genug fuer mehr als ein Auto gleichzeitig, der Bus schrammt regelmaessig am Abgrund vorbei, mit Geschwindigkeiten die einer mitteleuropaeischen Landstrasse Ehre machen wuerden. Hinzu kommen Erdrutsche, Lawinen, Ueberschwemmungen, Unfaelle, die irgendwie zur Seite geraeumt oder mutigerweise umfahren werden muessen (Einmal mussten wir alle raus und Steine schleppen). Nach 15h Fahrt (300km) waren wir dann irgendwann in Joshimath, unserer Basisstadt bei 2000m Hoehe, wo wir fuer 1,50Euro pro Nacht unser Lager aufschlugen (einige Sachen sind einfach besser in Indien). Andy war krank, also konnte ich die naechsten beiden Tagen alleine wandern.
Am ersten Tag gings ein Dorf weiter nach oben, auf 3200m Hoehe. Zu Fuss! Durch den Wald! Unfassbar steil. Hab fast fuenf Stunden gebraucht, allerdings konnte ich dann von oben den Nanda Devi sehen, Indiens hoechsten Berg mit 7900m (die richtig hohen sind in Nepal und Tibet). Man kann sich die Hoehe nicht wirklich vorstellen: Ich war selber schon so hoch, dass ich in Oesterreich das ganze Land haette sehen koennen, und war schon bei meinem eigenen Berg nur auf halber Hoehe, da wachsen sogar noch Baeume und Leute betreiben Landwirtschaft. Der Nanda Devi war fast 100km weg, und trotzdem muss man noch hoch gucken, um den Gipfel zu sehen. Und so viel Schnee ueberall!Abends konnte ich leider nicht mehr wirklich laufen, zu viel Wandern.

Trotzdem gings am naechsten Tag wieder los, meine eigene Glanzleistung, 14km bergauf, von 2000m auf 3600m, und dann das Ganze wieder runter! An einem Tag! Begleitet (oder eher ueberholt) wurde ich von hunderten Sikh-Pilgern, die zu einem Tempel auf 4500m Hoehe wollten, aber die meisten sind geritten (einige sind auch barfuss gelaufen...). Der Tempel ist da oben weil ein Heiliger der Sikhs in einem frueheren Leben an einem See dort meditiert hat... Priester sind einfach verdammt kreativ. Weil Sikhismus in Europa so unbekannt ist, schieb ich mal ein bisschen Bildungsfernsehen ein:

Der Sikhismus hat ungefaehr 10Mio Anhaenger und ist eine der juengsten groesseren Religionen, 500 Jahre alt, ist ne Mischung aus Monotheismus und Wiedergeburtsglaube. Der Goldene Tempel, den ich schon gezeigt hab, ist das Hauptheiligtum. Am Anfang hatten die Sikhs ein paar Gurus, die die geistigen und weltlichen Fuehrer waren, aber der letzte Guru hat dann einfach bestimmt, dass das Buch mit Spruechen, die sie gesammelt haben, der neue Guru ist, so dass seit 300 Jahren ein Buch der religioese Chef von 10Mio Menschen ist. Sikhs sind sowas wie Premium-Inder, ich mag sie einfach total: Sie essen Fleisch, haben im Schnitt sehr viel bessere Bildung, sind aufgeschlossener fuer Auslaender und reiselustig, und um einiges reicher als der Rest des Landes. Am meisten mag ich sie aber wegen ihres Aussehens: alle Maenner haben nen Vollbart. Alle. Und sie sind alle ein wenig dicklich. Und sie haben alle einen Turban. Um nicht ganz so laecherlich auszusehen, tragen einige rituelle Schwerter, was allerdings nur dazu fuehrt, dass eine Gruppe aelterer Sikhs aussieht wie eine Biker-Gang voller Weihnachtsmaenner. Oder griechische Goetter. Einfach herrlich. Und waehrend andere Inder entweder sehr aufdringlich sind oder scheu, freuen sich Sikhs wenn man sie anlaechelt und Hallo sagt, so dass ich meine Wanderung damit verbracht habe, alte dicke Weihnachtsmaenner mit Turban auf Ponys zu gruessen, die zu einem Tempel wollten an dem vor 1000 Jahren ein Guru in seinem frueheren Leben mal nachgedacht hat. Klingt schoen, oder? Oh, und Sikhs sind auch etwas netter zu ihren Frauen, so dass die Maedchen die einzigen in Indien sind, die mal zurueck laecheln (gut, bei den Muslimen weiss ich es nicht genau, da sind die Maedels verschleiert). Hab ich erwaehnt dass es in Indien keine Frauen gibt? Auf der Strasse sind vielleicht 10-20% Frauen unterwegs, meistens fortgeschrittenen Alters, ich weiss nicht wo die anderen versteckt sind, aber ich bezweifele dass wir sie finden werden.

So, genug Kulturimperialismus, zurueck zum Text. Nachdem ich dann voellig zerschunden wieder unten war, gings am naechsten Tag mit Andy noch hoeher ins Gebirge, da war nicht mehr so viel los, aber die Sicht war unglaublich, und wir haben den schoensten Wasserfall aller Zeiten gefunden (Bilder folgen hoffentlich). Wie gesagt, unfassbare weite, hellblaue Fluesse, Wasserfaelle, ich kenn ja die Berge aus Oesterreich, aber das hier ist alles rauher, hoeher, unwirklicher, und dass sind noch die Auslaeufer, im richtigen Gebirge, so auf 5000-6000m, muss es noch fantastischer sein. Also Leute, auf nach Nepal!

Danach gings dann wieder runter aus dem Gebirge, 14h, 200km, 6 verschiedene Fahrzeuge (teilweise mit Mitfahrern auf dem Dach...), bis zu unserem naechsten Ziel, dem Corbett Tiger Reserve, bereit fuer eine Tigersafari! Vor Ort, erstmal geschockt wieder im normalen Indien zu sein (Hupen, Rikshaws, Staub und Muell), mussten wir leider feststellen dass wir den geplanten Elefantentrip leider nicht machen konnten und dass eine Safari im Nationalpark echt teuer ist, also gings heute morgen um 5:30 mit dem Jeep durch die angrenzenden Waldgebiete. Nun ist man in Indien einiges an Tieren gewohnt: Affen, Papageien, alles laeuft und fliegt in den Staedten herum. Darum waren wir ein wenig ueberrascht, dass in dem Wald... gar nichts lebte. Drei Stunden Fahrt, 5 Hirsche. Aber naja, die Natur war trotzdem schoen, allerdings in Verbindung mit der lauten und dreckigen Stadt nicht schoen genug uns zu halten, so dass wir postwendend zurueck in die Berge sind, von wo aus ich jetzt schreibe, von der letzten Station und einem echten Juwel meiner Reise durch Indien.

Wir sind in Nainital. Nainital ist eine englische Hill Station. Waehrend der Kolonialzeit haben die Englaender sich ein paar Resorts ausserhalb der Hitze geschaffen, wo sie den Sommer verbringen konnten, und Nainital ist eins davon. Diese Orte wurden mit sehr viel Aufwand in ihrem kolonialen Charme erhalten und sind wirklich Oasen der Ruhe. Hier gibt es einen unglaublich schoenen See, umrahmt von 2500m hohen Bergen, wenig Autos, Tretboote in Schwanform, Golfplaetze... Ich beschliesse Indien mit einem gewissen Luxus. Und vor allem: Hier gibt es Steak! Echtes Steak, nicht das Zeug was hier durch die Strassen laeuft und den Muell frisst, sondern Steak in seiner einzig waren Form, nach 4 Wochen fast vollstaendig vegetarischer Ernaehrung und einer Aversion gegenueber Currygerichten! Und darum ist der Blog auch hier zu Ende, weil ich mir jetzt ein Restaurant suche, morgen gehts noch ein bisschen in die Berge, aber ganz gemuetlich, und uebermorgen Abend gehts dann nach Delhi, von wo ich mich wieder melden werde!

Liebe Gruesse
Alex

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