Freitag, 15. Juni 2012

Budongo Fotos

Hier endlich die versprochenen Fotos! Kann nicht zu viele gleichzeitig hochladen, Internet ist begrenzt, aber ich versuchs immer mal wieder!



Unser Camp

Auf solchen Pfaden schlagen wir uns durch den Wald

Diadem-Meerkatze (Blue Monkey), mein Studienobjekt. Versuch die mal vor nem grauen Himmel zu finden!
Die Strasse zu unserem Camp


Hin und wieder lauf ich auch einem Schimpansen ueber den Weg


Das ist meist das Einzige, was ich von den Affen zu sehen bekomme

Schwarz-Weisser Colobus Affe
Leben sogar bei uns im Camp!

Irgendwie sind die immer traurig


Wieder einer von meinen!

Hornbill Paerchen


Schmetterling, der sich als Blatt tarnt


Sonnenuntergang ueber der Savanne

Samstag, 9. Juni 2012

Budongo

Hallo Alle,

mal wieder muss ich mich dafuer entschuldigen, so lange nicht geschrieben zu haben. Schuld ist hauptsaechlich die unfassbare Fuelle an Eindruecken und Ideen, so dass es schwer faellt herauszufinden, was ich schreiben soll und was nicht. Ausserdem bin ich nach 20km laufen durch den Wald jeden Tag, mit allem Zubehoer, meistens recht fertig. Aber heute habe ich mal Zeit und Energie, also hier der erste Eintrag aus dem Wald.

Die Budongo Forest Conservation Station, wie wir offiziell heissen, liegt im Budongo Regenwald, dicht am Lake Albert. Frueher war an selber Stelle eine Saegemuehle fuer Mahagonie und andere Tropenhoelzer, gluecklicherweise wurde der (legale) Holzabbau allerdings eingestellt und das Ganze in ein Naturreservat verwandelt, vor allem wegen der hohen Dichte an Affen, aber auch weil der Wald selber der letzte seiner Art in Uganda ist. Wir wohnen in einem Camp in den alten Verwaltungsgebaeuden der Saegemuehle. Im Moment sind wir 8 weisse Forscher, einige Einheimische Tieraerzte und Studenten, ein paar Frauen die manchmal kochen und ansonsten alles sauber halten, und eine ganze Menge Feldassisstenten, Fallensucher, Wegeschneider und so weiter. Die Fallensucher brauchen wir, da es immer noch viele Schlingen und andere Fallen fuer die Tiere, hauptsaechlich Antilopen, gibt, und die Schimpansen sich oft darin verfangen und dann eine Hand oder einen Fuss verlieren. Ein Drittel unserer Schimpansen haben Behinderungen deswegen. Zum Glueck ist unser Abschnitt allerdings nach 20 Jahren Arbeit fast fallenfrei. Das Leben im Camp ist sehr einfach, wenn auch sehr gut ausgestattet. Wir haben Elektrizitaet von Solarzellen, Wasser aus Dutzenden riesigen Regenwassertanks was dann fuer's Trinken gefiltert wird, wir haben Duschen und wenn wir danach fragen wird auch fuer uns gekocht. Wir haben sogar Handy- und Internetempfang, allerdings nur an einigen sehr seltsam verteilten Punkten im Camp, was oft zu einer Horde herumwandernder Wissenschaftler fuehrt, die verzweifelt ihren Laptop in die Hoehe recken auf der Suche nach Internet. Alles in allem ist es aber sehr gemuetlich, und ein sehr angenehmes Leben.

Die Arbeit im Wald macht unheimlich viel Spass (Solange es nicht regnet, aber die Trockenzeit geht gerade los), aber ist oft wirklich anstrengend. Da ich als Einziger nicht mit den Schimpansen arbeite, habe ich kuerzere Arbeitszeiten als die anderen, von denen einige von 6:00 bis 18:00 unterwegs sind, waehrend ich einen schoenen 8:00 bis 15:30 Tag habe, allerdings muss ich auch meine 15kg Zubehoer schleppen, und laufe auf der Suche nach meinen verschiedene Affengruppe auch oft mehr. Mit mir im Wald ist Moses, mein Feldassisstent. Moses war anfangs nicht sehr gespraechig, sein Englisch ist nicht das Beste (genau wie mein Swahili, Arabisch und Koi-han, seine Muttersprachen), aber ich glaube langsam kommen wir uns naeher und er findet Gefallen daran, Aeffchen zu erschrecken. Die Studie laeuft eigentlich recht gut an, die ersten Tage waren dazu da, meine Diadem-Meerkatzen im Wald zu finden, und jetzt schleichen wir uns mit meinem Lautsprecher von hinten an sie an und sehen, wie sie auf die Rufe reagieren, die ich ihnen vorspiele. Erstaunlicherweise haben mich 15 Jahre Computerspiele nicht gut auf's Schleichen vorbereitet (haettet man ja meinen koennen), aber langsam werde ich besser, wir kommen sehr dicht an die Affen ran. Und es gibt wenig suessere Dinge auf der Welt als einen Affen der sich erschreckt und versucht, dich zu verscheuchen.

Die Menge an Affen hier ist einfach unvorstellbar. Wir haben mehrere Gruppen, die im oder um das Camp rum leben, so dass man an freien Tagen einfach draussen sitzen und sie beobachten kann. Die Schimpansen kommen auch manchmal durchgewandert, oder man trifft sie im Wald, und da unsere Gruppe hier an Menschen gewoehnt ist, kommt man schon recht leicht 5m an einen wilden Schimpansen ran, ein abgefahrenes Gefuehl. Auch ansonsten haben wir alles was so ein Regenwald haben sollte: Kleine Antilopen, Chamaeleons, Schlangen, Papageien, und sehr sehr viele andere Voegel. Es ist eigentlich immer laut weil irgendwas Laerm macht. Ausserdem hunderte Baum- und Pflanzenarten, und gluecklicherweise haben wir ein sehr ausgedehntes Wegesystem durch den Wald, ansonsten waere das Laufen noch anstrengender.

Einmal die Woche geht es nach Masindi, das ist die naechste Stadt, und wir kaufen Vorraete, und alles fuer den Bedarf. Sonntags geht es zur Zuckerfabrik, die haben einen Country Club mit Pool, wo wir entspannen koennen. Zucker ist in dieser Region das Haupt-Handelsprodukt, und alles ist voll mit Zuckerrohrfeldern, und Arbeitern mit Macheten die diese abernten. Wie auch schon in Kampala, sind die Menschen unfassbar lieb zu uns, und man kann sich problemlos unbedarft ueberall bewegen. Viele der an den Wald angrenzenden Doerfer stehen unserem Projekt recht positiv gegenueber glaube ich, auch wenn es natuerlich Konflikte gibt, wenn die Schimpansen mal wieder die Mangobaeume pluendern. Die Armut der Menschen ist unvorstellbar: Moses (mein Feldassistent) ernaehrt 2 Frauen (er ist recht stolz darauf, dass er sich zwei leisten kann) und 6 Kinder mit umgerechnet 40 Euro im Monat, was recht viel ist, waehrend die Inflation hier die Lebensmittelpreise rasant ansteigen laesst, und die Kinder natuerlich auch die Schule bezahlen muessen. Baustil sind entweder einfache Ziegelhuetten ohne Fenster, oder runde Lehmhuetten (die bei Weitem die Mehrheit bilden). Sowohl die Geburtenrate (Tausende Kinder. Wirklich. Tausende und Abertausende. Das Durchschnittsalter in Uganda ist 15.) als auch die Todesrate sind enorm (anscheinend erreichen nur knapp mehr als 60% aller Kinder das Erwachsenenalter, und in den 2 Wochen hier waren mindestens 4 Beerdigungen). Meistens Malaria und andere Infektionskrankheiten, eine sinnvolle medizinische Versorgung ist quasi nicht-existent, Hygiene ist anscheinend auch noch kein grosses Thema, und dazu wahrscheinlich fuer viele auch Unterernaehrung. Trotz allem ist die Atmosphaere irgendwie hoffnungsvoll, weniger schicksalsergeben als in Indien, es ist schwer zu beschreiben, die Menschen leben sehr im Hier und Jetzt, sie planen wenig (kommt eh anders), sie blicken wahrscheinlich nicht viel zurueck (schmerzhaft), sondern machen halt alles um jetzt zu ueberleben. Ich werd wahrscheinlich in spaeteren Blog-Eintraegen noch detailierter auf dieses Thema eingehen, muss mir erstmal selber klar machen, was ich darueber denke.

Alles Gute aus dem Wald! Bilder gibt es Sonntag!

Alex 

Dienstag, 22. Mai 2012

Kampala

Hallo alle,

ich weiss nicht, wann ich mal wieder zum Fotos hochladen und schreiben kommen werde, weil wir uns heute endlich zu unserem Regenwald begeben. Werd also noch schnell Kampala, die Hauptstadt Ugandas, beschreiben, und euch ein paar Bilder zeigen.

Nach einem recht anstrengenden und sehr verspaeteten Flug von Istanbul kam wir letzte Woche endlich in Kampala an, muede aber recht gluecklich. Bevor wir allerdings die Stadt erkunden konnten, mussten wir zunaechst alle unsere Forschungserlaubnisse einsammeln. Da kam es uns sehr zugute, dass das Hostel, in dem wir abgestiegen sind, sowas wie ein Anlaufhafen fuer Forscher zu sein scheint: Bereits beim Fruehstueck des ersten Morgens trafen wir zwei Affen-Forscher, die ich bereits kannte, die auch zur Regierung wollten um ihre Erlaubnisse zu bekommen. Also zu viert aufgebrochen, auf dem wahrscheinlich schoensten Verkehrsmittel auf dem ich bisher unterwegs war: dem Boda-Boda. Boda-Bodas sind kleine Motorraeder, die hinten gut gepolstert sind und genug fuer zwei Mitfahrende haben. In dem recht chaotischen Strassenverkehr Kampalas ist man dadurch sehr im Vorteil, und an jeder Ecke warten Fahrer darauf, einen zu jedem gewuenschten Ort fahren zu duerfen. Also geht es zu dritt auf einem Motorrad durch die Stadt. Kampala ist, im Vergleich zu Staedten die ich in Indien gesehen habe, verdammt aufgeraeumt, sehr ordentlich und vor allem sehr weitgestreckt: Es fuehlt sich nie erdrueckend oder voll an, und der Muell, allgegenwaertig in Indien, fehlt auch. Das liegt vor allem am rasanten Wachstum der Stadt, sie ist die einzige groessere Stadt in einem Land mit unfassbar hohem Bevoelkerungswachstum. Blech- und Lehmhuetten wechseln sich ab mit kleineren und groesseren Haeusern und Slums, dazwischen Felder mit Bananen- und Mangobaeumen, alles verteilt ueber dutzende Huegel, vor dem Hintergrund des Victoriasees. Und das recht moderne Stadtzentrum bietet alles, was eine moderne Hauptstadt braucht. All diese Kontraste wirken aber irgendwie zusammen, auch wenn man oft das Gefuehl hat innerhalb von 50m die Stadt gewechselt zu haben. Die Fahrten auf dem Boda-Boda sind dementsprechend sehr ereignisreich und schoen.

Da wir ein paar Tage hier verbringen mussten, um unsere ganzen Erlaubnisse zu bekommen, hatten wir genug Zeit, Kampala und seine Einwohner kennen zu lernen, und grade Letztere sind einfach grossartig. Offensichtlich, das Land ist arm und hat massive Probleme, aber die Freundlichkeit mit der uns die meisten Menschen hier begegnen ist umwerfend: Nicht die anstrengende Neugier der Inder oder aggressive Aufdringlichkeit einiger Verkaeufer in Jamaica, sondern sehr entspannt, sehr hoeflich und nett, viele Witze und viel Lachen. Selbst in Gegenden in die ich mich in anderen Laendern nicht gerne begeben wuerde begegnen uns viele Menschen sehr freundlich. Die Stadt zu erkunden war dementsprechend schoen, auch wenn es keinerlei grosse Sehenswuerdigkeiten gibt, haben wir doch einige sehr schoene Ecken entdeckt. Ach ja, das Essen ist grossartig, unser Mango-Konsum grenzt schon an Sucht, und sie verstehen, aus ihren Ressourcen das Beste zu machen!

Die grosse Attraktion  in diesem Teil des Landes ist natuerlich der Victoriasee: So gross wie Irland, ist er der Mittelpunkt Ostafrikas, und verdammt beeindruckend (Leider kann man nicht drin schwimmen, Parasiten und so). Einen Abend sind wir einfach am Ufer lang gewandert, Fruechte auf dem Markt gekauft, mit den Einheimischen geschekert, ein sehr heiteres Erlebnis. Sonntag waren wir dann in Jinja, an der Stelle, wo der Nil aus dem Victoriasee fliesst und seine Reise richtung Mittelmeer antritt. Mit einem Boot ging es ueber die Quelle des Nils (ein Damm staut den Fluss so weit hoch dass die Quelle selber, und die Wasserfaelle die frueher den Beginn des Nils markierten, verschwunden sind). Es ist beeindruckend wie weit und stark der Fluss bereits an dieser Stelle ist, 6500km von deiner Muendung entfernt. Die Ufer des Sees und Flusses strotzen mit diversen Vogelarten. Wenn wir von unserer Forschungsstation wieder kommen, werden wir hierher zurueck kehren, um auf dem Nil zu raften. Freu mich schon.

Ansonsten haben wir recht viel Zeit einfach nur damit verbracht, uns an die Waerme zu gewoehnen und die Sonne zu geniessen. Sehr notwendig. Ich fuehl mich hier sehr wohl: Es gibt dieses Sprichwort, dass man Afrika entweder liebt oder hasst, und ich tendieren wirklich zu der "lieben"-Seite. Uganda gilt auch als bester Einstieg, aufgrund der beschriebenen Freundlichkeit und Organisation. Ich vergleiche es immer mit Indien, was wahrscheinlich unfair ist, weil die beiden ausser den Briten als Kolonialmacht nicht viel gemein haben. Aber irgendwie ist es hier noch sehr viel schoener als ich erwartet haette. Heute geht's dann endlich in den Wald, dann kann ich endlich auch mehr ueber die natuerliche Schoenheit des Landes berichten!

Alles Liebe,
Euer Alex


Hauptstrasse von Kampala


Markt


Kampala von oben







Eingang zum Parlament (leider geschlossen)


Unabhaengigkeitsmonument




Spielende Gruene Meerkatzen

Our Hostel






Ufer des Victoriasees


Gemuesehaendlerin


Lea mit den Kinder




Huehner
Moschee von Kampala


Kinder


Auf dem Weg zur Quelle des Nils

Plantagen




Quelle des Nil







Fischmarkt

Kormorane

Kormorane sind ueberall gleich


Taxibahnhof