Samstag, 12. Februar 2011

Brisbane nach Port Macquarie

Hallo alle,

der erste Teil meines Trips suedwaerts ist vollbracht, und ich dachte ich stoppe fuer einen Moment und lasse euch mal wieder teilhaben an all den Wunderlichkeiten die Australien so bereithaelt. Ausserdem regnet es mal wieder (was fuer ein bescheuertes Jahr!), hab also Zeit. Sind seeeehr viele Fotos diesmal.

Mein Trip in die Wildnis begann Mittwoch, nach schwerem Abschied von Brisbane gings zunaechst ins Hinterland, Nationalparks gucken, Wasserfaelle bestaunen, Regenwaelder erkunden, nur ich und mein Auto. Der erste Tag verlief relativ ruhig, viel Wald und Wasser und tolle Aussichten. Absolutes Highlight: Eine Gluehwuermchenhoehle! Ich hatte noch nie Gluehwuermchen gesehen, also hab ich es auf mich genommen nachts im Regen durch einen dunklen Wald zu stapfen (gibt ja keine Woelfe hier). Taschenlampe ging nach 5min floeten, also im stockdustern weiter. Bereits auf dem Weg zur Hoehle war alles voll mit blauen Puenktchen, die ueber der Wald verteilt waren. In der Hoehle angekommen dann Mund auf und staunen: Als waere man von einem zweiten Sternenhimmel ueberspannt, Millionen von winzigen blaugruenen Leuchtkugeln die an der Decke haengen! Einfach nur maerchenhaft, Wasserfallrauschen im Hintergrund und dann das:
Gluehwuermchen!
Macht mal Fotos von sowas Kleinem im Dunkeln!
Die sind nicht wirklich Wuermer, sondern Fliegenlarven, die klebrige Faeden aufhaengen und dann mit dem Hintern leuchten um ihre Opfer zu sich zu locken... Kenn einige Frauen die eine aehnliche Taktik verfolgen




Sinnbild fuer Australien, endlose Wildnis und im Hintergrund ein bisschen Zivilisation an die Kueste gequetscht













2000 Jahre alte antarktische Birken... ja, wirklich antarktisch, die gibt's nur hier und dort, war mal ein Kontinent.



Mt. Warning

 Das letzte Bild zeigt schon mein Ziel fuer den naechsten morgen: Mount Warning, sowas wie der Olymp der Aboriginies, ihr heiliger Berg. Werd mal erklaeren wie so ein Berg zu einem heiligen Berg wird:

1. Mt. Warning ist der erste Punkt Australiens den die Sonne jeden Morgen beruehrt. Verbindung mit der Sonne ist immer gut wenns ums Heiligsein geht, und fuehrte dazu dass ich den grausamen Plan faste morgens um 4 Uhr loszumaschieren um zum Sonnenaufgang oben zu sein. Hat nicht geklappt, verschlafen, war trotzdem um 5 Uhr auf dem Weg.

2. Mt. Warning ist mit Regenwald bedeckt und verdammt schwer zu besteigen. Frueher hat so ein Aufstieg drei Tage gedauert. Angeblich. Heute ist man in anderthalb Stunden oben. Trotzdem echt anstrengend.

 Vor allem das letzte und heiligste Stueck ist verdammt steil:
 3. Oh, hoch muss der Berg sein (1200m):

4. Wenn man dann oben angekommen ist, erkennt man schliesslich, was der Hauptgrund fuer die Heiligkeit ist: Mystik. Wie der Olymp ist Mt. Warning konstant in Wolken gehuellt (weshalb es auch garnicht so schlimm war, dass ich nicht so frueh aufgestanden bin, haette eh nix gesehen). Wenn man dann oben in der Wolke steht kann man die Aboriginies fast verstehen, alles ist weiss, keine Geraeusche ausser dem Rauschen der Baeume (mit genug psychoaktiven Substanzen klingen die sicher wie Stimmen) und einiger Voegel, die Sonne bringt das ganze zum Leuchten, es ist kalt und feucht, da haette ich auch Angst bekommen.
 Zum Glueck klarte es dann aber noch auf und machte den ganzen Aufstiegsstress mehr als wett:
 Und am Ende erschien mir sogar noch eine Gottheit in Form eines Truthahns und befahl mir, Fruehstueck zu haben.

Rest des Tages dann faul am Strand verbracht (hab ich mir auch verdient), Surfboard gekauft (endlich kann ich ueben) und rumgehangen. Ab dem naechsten Tag dann eine grosse Folge von Nationalparks und Aussichtspunkten und Straenden, werde der Einfachheit halber (und weil sich doch alles ein bisschen gleicht) nur ein paar Bilder hochladen. Ziel ist es, einfach mal die Vielfalt dieses Kontinents zu zeigen: waehrend man in Europa endlose Strecken reisen kann ohne dass sich die Landschaft gross veraendert (Eiszeit sei dank), wechselt man hier innerhalb von 50km von Regenwald zu trockenem Buschland zu englisch anmutenden Huegelketten zu Salzwassersuempfen und Mangrovenwaeldern und ploetzlich ist man auch schon wieder am Strand:

Sonnenaufgang ueber Byron Bay

Es gibt kaum etwas Frustrierenderes als morgens um 5Uhr aufzustehen um den Sonnenaufgang zu sehen und dann ist es bewoelkt

Leuchtturm Byron Bay

Jeder geniesst die Aussicht

Buschland


So sieht die ganze Kueste aus!



Bildunterschrift hinzufügen



Krabbe

Endlose Weiten

Nicht jeder haelt so gut durch wie mein treues Autolein

Salzwassersumpf

Wie oft fotografiert man ausversehen einen Schmetterling?


Die Gegend heisst passenderweise Neuengland

Die Waelder sehen ein bisschen anders aus...

...und das Wetter ist besser...

...aber ansonsten ist es doch sehr britisch



Rotkopf-Pademelon (auch ein Beuteltier, aber kein Kaenguruh)


Und wieder schlechtes Wetter...

So wohnt man in Australien


Port Macquarie, frueher Gefaengnis fuer die schwersten Verbrecher...

heute Urlauberparadis

Damals: Barracken; heute: Wohnwagen... sieht genauso aus, nur heute bezahlt man Geld

Bei dem Ausblick wuerd ich mich auch hierher deportieren lassen. Irgendwie netter als Sibirien

Wenn ich nicht gerade rumwander lern ich immernoch fleissig die Gitarre und Surfen. Bestes Erlebnis der letzten Tage: beim morgendlichen Surfen in irgendeinem verschlafenen Kaff, ich verzweifelt dabei nicht von meterhohen Wellen erschlagen zu werden, alles still, ploetzlich schiessen zwischen den Surfern drei Delfine herum, reiten die Wellen, tauchen und springen. Die Einheimischen haben nichtmal hingeguckt, die schienen das zu kennen, aber ich war so ueberwaeltigt und durcheinander dass die naechste Welle mich voellig zerschossen hat. Als ich nach Ewigkeiten wieder an der Oberflaeche war, waren die Delfine weg, und auch verzweifeltes Warten hat sie nicht wiedergebracht. Aber definitiv ein unbeschreibliches Ereignis!

Bis zum naechsten Eintrag
Euer Alex


Sonntag, 6. Februar 2011

Fotos der letzten Wochen

Hallo alle,

da meine Karriere als Milchmann nach einem rasanten Aufstieg nun zuende ist und ich diese Woche Brisbane nach fast 3 Monaten verlasse und weiterreise sind hier einige Bilder meiner letzten Wochen, angefangen von der grossen Flut, ueber den Trip mit den Milchmaennern nach Byron Bay und einigen Ausfluegen ins Umland von Brissie. Ab Mittwoch geht es dann die Kueste runter, ich und mein Auto, Straende und Nationalparks. Hab mir schon eine Gitarre gekauft, hab ja viel Zeit zu ueben, und was ist stereotypischer als am Strand zu sitzen und ein bisschen vor sich hinzuklimpern? Aber hier die Fotos:

Die Grosse Flut

Zuschauer am Fluss (5m zu hoch zu diesem Zeitpunkt)






Nach der Flut...




Als ich das erste Mal an der Stelle war, war der Pavillon nicht zu sehen

Falsch geparkt...

Das grosse Aufraeumen

Wallabie (kleines Kaenguruh) im Wald


 

Hinterland

Mein treues Gefaehrt

Brisbane von oben

 Byron Bay:
Straaaaaand!



Der oestlichste Punkt des Australischen Festlandes




Delfine und Surfer



Gold Coast:


Ich vor grandiosem Hintergrund (fuer die die sich nicht mehr daran erinnern wie ich eigentlich ausseh)

Tiziana, meine Reisebegleitung (aus I-ta-lia, Betonung beachten) 

Gold Coast


Surfer's Paradise, Australiens Touristenhochburg



Mit meinem Mit-Milchmaennern (und -frauen)

Geld ist nicht der einzige Grund, Milchmann zu werden... Es gibt auch oft freies Essen

Dienstag, 25. Januar 2011

Milchmann in Brisbane

Hallo alle,

wie immer lange nicht gemeldet, seit ich in mein Auto gezogen bin hat sich meine Internetzeit noch weiter reduziert. Ausserdem bin ich noch beschaeftigter als vorher, weil ich mal wieder einen Job habe. Nachdem ich ja bereits in Einkaufszentren und auf der Strasse Leute genervt habe, geht's jetzt ans Eingemachte: ich verkaufe von Tuer zu Tuer. Allerdings keine Wohltaetigkeit mehr, sondern Essen. Erhoeht die Anzahl an Leuten, die interessiert sind, um ein Vielfaches.

Wir nennen uns selber "Milchmann", einfach weil es recht eingaengig ist und die Leute sich was drunter vorstellen koennen. Im Grunde sind wir ein Lieferservice fuer Grundnahrungsmittel, also Milch, Gemuese und alles, direkt vom Bauern zum Kunden. An sich ein gutes Konzept. Ich liefer jedoch nicht aus, mein Job ist es rumzulaufen und die Leute davon zu ueberzeugen, dass sie diesen Service brauchen, und ihnen moeglichst viel aufzuschwatzen. Dachte es waere noch unangenehmer als der letzte Job, aber ehrlich gesagt sind die Produkte wirklich gut und die Meisten lieben die Idee dass all ihr Essen aus dem Inland kommt, sodass es eigentlich recht einfach ist und ich ganz gut verdiene, obwohl es auf Kommission laeuft. Vor allem ist das Team echt cool.

Am Wochenende waren wir alle zusammen in Byron Bay, das gleichzeitig der oestlichste Punkt des australischen Festlandes, Surfparadies und Hippiehauptstadt ist. Die Straende sind einfach wunderschoen, man hat einen Postkarten-Leuchtturm und kann mit Delfinen surfen (mach ich naechstes Mal wenn ich hinkomme!). Die Hippies ruinieren das Ganze ein bisschen, wie immer, 30€ fuer eine Nacht in der Jugendherberge bezahlen und davon traeumen dagegen zu sein, dass sind die Richtigen. Da lob ich mir meinen Lebensstil im Auto, simpel aber sehr effektiv und erstaunlich gemuetlich, fuehl mich wohl und hab inzwischen alles was ich brauche, ausser Sprit und Lebensmitteln. Bin ziemlich selbsterhaltend, und kann das Geld aus dem neuen Job fuer sinnvolle Sachen sparen.

Morgen ist Australia Day, der hiesige Nationalfeiertag, zuerst geht's zum Kakerlaken-Rennen (man kann seine eigene Kakerlake trainieren und mitbringen), danach viel Zeit im Park mit Grillfleisch und Fussball. Wird hoffentlich sehr entspannt! Wir haben endlich das lang ersehnte gute Wetter, und die Flut ist schon fast vergessen.

Wuensch euch alles Gute!
Alex

Freitag, 14. Januar 2011

Flut in Queensland

Hallo alle,

erstmal Entschuldigung dass ich mich so lang nicht gemeldet hab, hier ging in den letzten Wochen alles ein wenig drunter und drueber, im wahrsten Sinne des Wortes. Dafuer kann ich jetzt rueckwirkend ueber die letzte Sintflut berichten. :)

Die Ausmasse reichen wirklich an die biblische Sintflut ran, immerhin hatten wir seit November Regen (40 Tage), oft Tag und Nacht, mit unvorstellbaren Mengen an Regen (mehr als 150mm am Tag, Deutschland hat 450mm im Jahr). Betroffen war und ist eine Flaeche von der Groesse Mittel- und Westeuropas zusammen. Gluecklicherweise leben hier nicht allzuviele Menschen, darum gibt es "nur" 16 Tote bis jetzt, aber der oekonomische Schaden ist unvorstellbar, vor allem weil das Ganze sich zwar beruhigt hat, aber noch nicht zu Ende ist, es schiebt immer weiter nach Sueden, so dass jetzt auch der Rest von Australien was abkriegt (ausser der Westen, da brennt's). Ist echt ein beklopptes Jahr. Brisbane selber wurde weniger hart getroffen als befuerchtet, aber immer noch hart genug. Sie mussten 200.000 Haeusern den Strom abstellen, langsam siehts aber wieder besser aus. Oh, und weil es Australien ist, duerfen natuerlich auch die Haie nicht fehlen: der Brisbane River beheimatet anscheinend garnicht so wenige, die dann dabei gesichtet wurden, wie sie durch die Innenstadt schwommen. Manchmal sassen wir am Wasser, und ein Boot schwamm vorbei. Mit Anlegestelle. Die Gewalt die mit diesen Fluten kommt ist wirklich angsteinfloessend. Der Anblick von voellig braunen Haeusern, die langsam aus den Fluten wieder auftauchen wird wahrscheinlich noch fuer eine Weile erhalten bleiben. Zum Glueck hatten wir keine Flutwelle, einige Staedte wurden innerhalb von 30min komplett weggeschwemmt. Momentan ist der Fluss wieder fast auf Normalstand, und die Menge an Dreck die zurueckbleibt ist unfassbar, und die Bereitschaft der Australier einander zu helfen auch: heute sind mehr als 20.000 freiwillige Helfer in Brisbane unterwegs um Aufzuraeumen und Schaeden zu begrenzen. Werd mich vielleicht auch anschliessen.

Ich selber hab die Flut hauptsaechlich drinnen miterlebt, konnte fuer die Tage bei Freunden unterschluepfen, die auf einem Huegel wohnen. Kamen auch nicht viel raus, weil um den Huegel rum eigentlich alle Strassen unter Wasser standen, sind aber alle paar Stunden zum Fluss gelaufen um zu sehen, wie sich die Situation entwickelt. Am ersten Tag auch ein wenig beim Sandsaecke schleppen geholfen. Jetzt lauf ich viel durch die Stadt, schau mir die Schaeden an, mach Fotos (gibt's ein andermal). Hab recht viel Zeit, da meine Firma auf Grund der Flut kurzfristig nach Sydney verlegt wurde ("Ok, wir buchen Fluege fuer in 4h, wer kommt mit?"), ich aber bei all dem Chaos nicht mein Auto hier allein lassen wollte (und der Job sowieso nicht mehr so viel Spass gemacht hat. Bin also wieder arbeitslos und reisefreudig, werd zwar nochmal nach Arbeit hier gucken, aber falls ich in den naechsten Tagen nichts finde bin ich wieder unterwegs. Macht nur keinen Sinn direkt zu fahren, da viele Strassen noch blockiert sind und die ganze Region durch die ich reisen will unter Wasser steht.

Ich halte euch auf dem Laufenden!
Alex