Hallo Freunde,
die Zeit der coolen Bilder von paradiesischen Straenden, undurchdringlichen Waeldern und azurblauem Meer ist erstmal vorbei, der Alltag holt auf, auch wenn ich immer noch zu schnell fuer ihn bin.
Angefeuert durch die unerfreulichen Berichte vom Wintereinbruch in Europa muss ich hier mal ein wenig charitative Arbeit leisten und euch beruhigen: Australien erlebt den feuchtesten Sommeranfang seit Ewigkeiten, wir haben mehr als die dreifache Menge an Regen die eigentlich zu erwarten waere, und es ist kaelter als es sein sollte. (Soll heissen, 27C. Das ist fast winterlich. Die Australier beschweren sich die ganze Zeit. Echt wahr.) Und es wird wahrscheinlich so weiter gehen, entgegen meiner Hoffnungen auf einen wolkenfreien Sommer haben wir hier tropisches Wetter: taeglich kurze Regenschauer, den ganzen Sommer hindurch, allerdings sonst fast nur Sonne. Der Regen der hier faellt ist allerdings auch monsunartig.
Sonderlich gestoert hat mich das Wetter bis jetzt noch nicht, da ich die ganze letzte Woche in einem Einkaufszentrum verbracht habe: Ich arbeite ja jetzt, Spenden sammeln fuer die Weltorganisation fuer Tierschutz (http://www.wspa.org.au/). Entgegen meinen Erwartungen ist der Job wirklich schwer: Ich bin davon ausgegangen, dass jedem daran gelegen sei Tiere vor Grausamkeit zu schuetzen und dafuer ein bisschen Geld zu geben. Hab mich leider getaeuscht, so dass die Arbeit vor allem darin besteht:
a) Menschen erstmal anzuhalten, wobei alles erlaubt ist, ausser den Weg zu versperren. Am Effektivsten ist Winken kombiniert mit Laecheln und einem markigen Spruch der sie zum Lachen bringt. Aber auch Tanzen, Grimassen, Pfeifen ... sind moeglich. Muss natuerlich auf die Person passen, die meisten alten Maenner reagieren recht empfindlich wenn man ihnen entgegenpfeift. Auch viele Sprueche kommen nur mittelmaessig an. Ist aber egal, solange man irgendwie aus der Masse der Spendensammler heraussticht, und bei ungefaehr 500 Leuten die pro Stunde vorbei laufen schafft man es irgendwie, zwei oder drei anzuhalten. Meist aeltere Frauen ("Hey, bist du meine Oma?" funktioniert echt gut zum Anhalten, einfach um mal ein Beispiel zu geben was wir uns alles einfallen lassen). Leider duerfen wir nur Personen ueber 25 anwerben, so dass Studenten rausfallen (stoppen die Mitgliedschaft zu oft), was es unvergleichlich schwerer macht. Und dann beginnt der harte Teil:
b) Sobald jemand auf einen der oben genannten Tricks reingefallen ist (oder wirklich interessiert ist) geht es darum, die Person davon zu ueberzeugen, dass sie uns ihr Geld geben sollte. Da ja jeder konstant zu wenig Geld hat (manchmal denkt man man ist in einem Dritte Welt Land) und 15 Euro im Monat weniger absolut toedlich waeren muss man geschickt vorgehen. Meine Firma hat dazu einen echt guten Trick: Wir kriegen unseren Text fast gaenzlich vorgegeben, und das Ziel ist diesen Text moeglichst ueberzeugend in das Gespraech zu integrieren. Also bringt man die Leute erstmal ein bisschen zum Lachen und redet mit ihnen ueber sie (Menschen moegen das), und dann erzaehlen wir ihnen wie wir Baerenkaempfe in Pakistan stoppen (echt grausam, den Baeren werden die Zaehne und Krallen rausgerissen). Unser Text ist echt ueberzeugend, und hat den Vorteil das jeder Neuling (so wie ich) erstmal eine Vorlage hat an die man sich halten kann. Dann kommen natuerlich Einwaende, die man entkraeften muss, aber irgendwann schafft man es dann irgendwie, schnell genug die ganzen Daten auszufuellen, bevor die Person ihre Meinung aendern kann.
Klingt alles ein wenig hinterhaeltig und anstrengend, ist es aber nicht wirklich. Jeder hier hat Geld, die Renten sind verdammt hoch, die Loehne sind enorm. Wenn jemand wirklich kein Geld hat oder Schulden, schicken wir sie weg. Nach den ersten drei Tagen dachte ich das Ganze wird eine Qual, weil ich wirklich nicht sonderlich erfolgreich war und mich bloed gefuehlt hab, aber seit Donnerstag funktioniert es irgendwie wie am Schnuerrchen, der Schalter ich umgelegt, und ich hab verdammt viel Spass. Mein Team ist toll, ich finds gut fuer ne gute Sache zu arbeiten, und vor allem ist es witzig den ganzen Tag Leute anzulaecheln, sich mit ihnen zu unterhalten, und sie irgendwie von unserer Sache zu ueberzeugen. Und wie gesagt, ich werd besser, so dass es sogar belohnend ist.
Ansonsten ist die Woche nicht so viel passiert, abends meist in der Jugendherberge wo wir untergebracht sind, und weiter ein bisschen die Stadt erkundet. Naechste Woche sind wir statt in einem Einkaufszentrum auf der Strasse und werben dort, man darf gespannt sein.
Liebe Gruesse in den Schnee
Alex
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