Freitag, 31. Dezember 2010

Frohes Neues Jahr!

Hallo da draussen,

der erste Eintrag im Neuen Jahr! Wuensch allen meinen Lesern alles Gute und viel Erfolg bei was auch immer ihr vorhabt! Lasst euch nicht vom Wetter die Laune verderben irgendwann scheint auch mal wieder die Sonne, immerhin wird uns seit Jahren die globale Erwaermung versprochen, waere ja ein Novum wenn sich da jemand verrechnet haette. Was wuerden wir dann bloss mit den ganzen Klimaforschern machen!

Ich hab mir zum Jahreswechsel das Feuerwerk in Brisbane angeschaut. Jetzt weiss ich auch, warum jeder andere Mensch den ich hier kennengelernt habe nach Sydnet gefahren ist: War zwar recht nett, viele Effekte und schoen bunt, aber nicht atemberaubend. Private Feuerwerke sind strikt verboten, weshalb auch ansonsten nicht viel zu sehen war. Danach ging's nett zum Tanzen, hatte also trotzdem ganz viel Spass.

Groesste Neuerung hier im neuen Jahr: Ich hab mir den Luxus gegoennt und mir ein Auto zugelegt. Hatte ja schon laenger drueber nachgedacht, weil man ansonsten so viel verpasst und das Besondere an Australien die Natur ist, und nicht die Staedte die man sieht wenn man immer nur auf der Hauptstrasse mit dem Bus unterwegs ist. Zu meiner Ueberraschung wurde ich auch recht schnell fuendig und das Auto hat sogar einen Motor (keine Selbstverstaendlichkeit in der Preisklasse die ich angestrebt habe) und stach bei der Testfahrt durch seine Problemlosigkeit und vor allem seine fehlende Lautstaerke hervor (Nichts klappert, nichts quietscht, und man kann sich normal unterhalten. Wer mal mit meinem letzten Auto gefahren ist, ab 80km/h musste man eher schreien. Nicht so bei diesem Goldstueck). Jetzt muss nur noch ein bisschen Buerokratie ablaufen und dann bin ich stolzer Besitzer von diesem netten Waegelchen:




Das ist mein (noch namenloser) Ford Falcon Forte. Mancher mag sich jetzt fragen wofuer ich ein Auto brauche das laenger ist als so mancher Bus (immerhin stolze 5m), aber das hat den einfachen Hintergrund, dass dies Schnuckelchen nicht nur als Transportmittel, sondern zugleich als Schlafzimmer (Jugendherbergen machen im Moment meine Hauptausgabe aus) und Stauraum dienen wird, und damit ich meinen ziemlichen langen Koerper da jede Nacht reinquetschen kann muss schon ein gewisser Standard erreicht sein. Ausserdem sieht's einfach cooler aus. Der Coolness-Faktor wird dadurch ein bisschen reduziert, dass sie (mein Auto ist natuerlich weiblich) Automatikgetriebe hat, heisst ich muss mir irgendwas einfallen lassen um mich zu beschaeftigen. Aber auf der falschen Strassenseite zu fahren haelt mich definitiv erstmal eine Weile wach. Jetzt muss ich nur noch ein paar gutaussehende Mitfahrerinnen finden und los geht die Reise! Zunaechst aber noch ein paar Wochen arbeiten, um die geleerte Reisekasse aufzufuellen und die Welt ein Stueck zu retten.

Versinkt nicht im Schnee!
Alex

Sonntag, 26. Dezember 2010

Hallo,

hoffe ihr habt alle Weihnachten gut ueberstanden! Da Leute nicht aufhoeren mir dazu zu gratulieren, dass ich den schlimmsten Winter aller Zeiten verpasse, muss ich euch leider ein bisschen aufmuntern: wir haben hier den bloedesten Sommer aller Zeiten. Nach 10 Jahren fast regenfrei muss es natuerlich in diesem Jahr ununterbrochen giessen, um Brisbane rum ist schon alles ueberflutet weil die Fluesse das ganze Wasser nicht mehr tragen koennen, und es sind noch mehrere Zyklone angesagt. Wird also nicht viel mit Wandern und Spass haben in den Ferien, bin zu vollkommener Entspannung uebergegangen: ich mache einfach nichts (oder nicht viel).

Meine Befuerchtungen, dass durch das schreckliche Wetter Weihnachten ins Wasser fallen wuerde haben sich nur teilweise bestaetigt. Nachdem ich das Fest zunaechst voellig vergessen habe (bin am 24.12. morgens aufgewacht und hab panisch festgestellt, dass ich noch Geschenke brauche), habe ich den Heiligabend dann damit verbracht mich mit einem ganz netten Israeli ueber alles Moegliche zu unterhalten (irgendwie waren wir die einzigen Beiden, die nicht in Weihnachtsstimmung waren). Dann am Weihnachtsfeiertag, der hier der eigentliche Feiertag ist, bin ich morgens mit dem Zug in Richtung Kueste: Hannahs Familie hatte mich eingeladen, Weihnachten bei ihnen im Wohnwagen am Strand zu verbringen. Kaum angekommen, gab's die erste Ueberraschung: Die Sonne kam kurz durch! Badehose an, ab in den Pazifik, bevor es eine halbe Stunde spaeter wieder anfing zu regnen. Der Tag wurde dann in bester Tradition essend verbracht, Braten und Pasteten und ganz viel Kuchen, ich hab zum ersten Mal Cricket gespielt (Schlagen ist gut, aber man darf nicht normal werfen, sondern muss den Arm voellig gestreckt lassen, was das Zielen ziemlich schwer macht). So gings dann bis in die Abendstunden. Und um ehrlich zu sein: Wer hat sich ueberlegt Weihnachten im Winter zu feiern? Weisse Weihnacht hin oder her, aber Strand und Waerme machen das Ganze viel entspannter! Ich bin dafuer wir verlegen das ganze Fest, Theologie hin oder her.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag bin ich dann einfach im Bett geblieben. Man muss den Regen auch mal ausnutzen. Viel gelesen. Und schwubbs, ist Weihnachten auch schon vorbei, alles bereitet sich auf Sylvester vor (Ich scheine der Einzige zu sein, der nicht nach Sydney faehrt, alle meine Freunde sind weg, was mir die Moeglichkeit gibt mal wieder richtig zu entspannen).

Hab mal wieder ein paar Bilder angehaengt! Hoffe ihr geniesst die Feiertage!

Euer Alex


 
Ich mit Absolventenhuetchen




Mit der Faehre in der Abenddaemmerung

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Neues aus Brisbane

Hallo Alle,

wollte einfach mal wieder von mir hoeren lassen, momentan bin ich sehr beschaeftigt mit arbeiten und einfach vor mich hin leben, aber es passiert nicht so sonderlich viel Neues, darum nicht wundern wenn laengere Pausen entstehen.

Die Arbeit laeuft noch und macht auch weiterhin viel Spass. Sind momentan auf den Strassen Brisbanes unterwegs, was meiner Hautfarbe hilft und fuer viel Abwechslung sorgt, vor allem weil viele Ladenbesitzer, andere Charities und Passanten uns nicht gerne sehen und wir darum immer mal wieder schnellstmoeglich den Ort wechseln muessen. Aber im Allgemeinen moegen die Leute uns, wir bringen fast alle irgendwie zum Lachen, und ich werd auch immer besser und erfolgreicher. Man trifft die seltsamsten Leute, und alle paar Stunden kommt ein Christ vorbei und versucht verzweifelt uns zu bekehren. Klappt nicht. Allerdings gilt hier je oefter jemand Jesus erwaehnt, desto unwahrscheinlicher wird es, dass derjenige was spendet. Kann man auch mal drueber nachdenken. Meist kommt: "Wir geben nicht, weil der Herr Jesus es alles richten wird." Und das hab ich mir nichtmal ausdenken muessen.

Aufregend in der letzten Woche war vor allem Hannahs Abschlussfeier. Sie hat ihr Studium hinter sich, und da ich zu meiner eigenen Abschlussfeier nicht gehen konnte dachte ich mir ich ergreife die Chance. War alles sehr pompoes, nach englischer Tradition, mit Talaren und Hueten und allem, und da auch die Psychologen ihren Abschluss hatten hab ich quasi in Vertretung noch meine Zeremonie miterlebt. Durfte sogar einen dieser coolen Huete mit der Kordell aufsetzen!
Am Montag war ich dann beim Jack Johnson Konzert (fuer die aelteren Leser: Saenger aus Hawaii, ganz entspannte Gitarren-Surf-Musik), nachdem ich bereits zwei Konzerte in Berlin verpasst hab. Bin sogar umsonst reingekommen (Hannah und ihre Schwester arbeiten fuer den Ticketverkauf), mehr als 6.000 Leute, einfach ein perfektes Konzert!

Ansonsten war ich noch im Botanischen Garten (riesig!) und hab meine Abende im Hostel genossen, auch mit dem Versuch mir zu ueberlegen, was ich nun eigentlich ueber die Weihnachtsfeiertage mache. Aber davon erzaehle ich naechsten Mal, wenn ich mehr weiss!

Euer Alex

Samstag, 4. Dezember 2010

Sommeranfang in Brisbane

Hallo Freunde,

die Zeit der coolen Bilder von paradiesischen Straenden, undurchdringlichen Waeldern und azurblauem Meer ist erstmal vorbei, der Alltag holt auf, auch wenn ich immer noch zu schnell fuer ihn bin.

Angefeuert durch die unerfreulichen Berichte vom Wintereinbruch in Europa muss ich hier mal ein wenig charitative Arbeit leisten und euch beruhigen: Australien erlebt den feuchtesten Sommeranfang seit Ewigkeiten, wir haben mehr als die dreifache Menge an Regen die eigentlich zu erwarten waere, und es ist kaelter als es sein sollte. (Soll heissen, 27C. Das ist fast winterlich. Die Australier beschweren sich die ganze Zeit. Echt wahr.) Und es wird wahrscheinlich so weiter gehen, entgegen meiner Hoffnungen auf einen wolkenfreien Sommer haben wir hier tropisches Wetter: taeglich kurze Regenschauer, den ganzen Sommer hindurch, allerdings sonst fast nur Sonne. Der Regen der hier faellt ist allerdings auch monsunartig.

Sonderlich gestoert hat mich das Wetter bis jetzt noch nicht, da ich die ganze letzte Woche in einem Einkaufszentrum verbracht habe: Ich arbeite ja jetzt, Spenden sammeln fuer die Weltorganisation fuer Tierschutz (http://www.wspa.org.au/). Entgegen meinen Erwartungen ist der Job wirklich schwer: Ich bin davon ausgegangen, dass jedem daran gelegen sei Tiere vor Grausamkeit zu schuetzen und dafuer ein bisschen Geld zu geben. Hab mich leider getaeuscht, so dass die Arbeit vor allem darin besteht:

a) Menschen erstmal anzuhalten, wobei alles erlaubt ist, ausser den Weg zu versperren. Am Effektivsten ist Winken kombiniert mit Laecheln und einem markigen Spruch der sie zum Lachen bringt. Aber auch Tanzen, Grimassen, Pfeifen ... sind moeglich. Muss natuerlich auf die Person passen, die meisten alten Maenner reagieren recht empfindlich wenn man ihnen entgegenpfeift. Auch viele Sprueche kommen nur mittelmaessig an. Ist aber egal, solange man irgendwie aus der Masse der Spendensammler heraussticht, und bei ungefaehr 500 Leuten die pro Stunde vorbei laufen schafft man es irgendwie, zwei oder drei anzuhalten. Meist aeltere Frauen ("Hey, bist du meine Oma?" funktioniert echt gut zum Anhalten, einfach um mal ein Beispiel zu geben was wir uns alles einfallen lassen). Leider duerfen wir nur Personen ueber 25 anwerben, so dass Studenten rausfallen (stoppen die Mitgliedschaft zu oft), was es unvergleichlich schwerer macht. Und dann beginnt der harte Teil:

b) Sobald jemand auf einen der oben genannten Tricks reingefallen ist (oder wirklich interessiert ist) geht es darum, die Person davon zu ueberzeugen, dass sie uns ihr Geld geben sollte. Da ja jeder konstant zu wenig Geld hat (manchmal denkt man man ist in einem Dritte Welt Land) und 15 Euro im Monat weniger absolut toedlich waeren muss man geschickt vorgehen. Meine Firma hat dazu einen echt guten Trick: Wir kriegen unseren Text fast gaenzlich vorgegeben, und das Ziel ist diesen Text moeglichst ueberzeugend in das Gespraech zu integrieren. Also bringt man die Leute erstmal ein bisschen zum Lachen und redet mit ihnen ueber sie (Menschen moegen das), und dann erzaehlen wir ihnen wie wir Baerenkaempfe in Pakistan stoppen (echt grausam, den Baeren werden die Zaehne und Krallen rausgerissen). Unser Text ist echt ueberzeugend, und hat den Vorteil das jeder Neuling (so wie ich) erstmal eine Vorlage hat an die man sich halten kann. Dann kommen natuerlich Einwaende, die man entkraeften muss, aber irgendwann schafft man es dann irgendwie, schnell genug die ganzen Daten auszufuellen, bevor die Person ihre Meinung aendern kann.

Klingt alles ein wenig hinterhaeltig und anstrengend, ist es aber nicht wirklich. Jeder hier hat Geld, die Renten sind verdammt hoch, die Loehne sind enorm. Wenn jemand wirklich kein Geld hat oder Schulden, schicken wir sie weg. Nach den ersten drei Tagen dachte ich das Ganze wird eine Qual, weil ich wirklich nicht sonderlich erfolgreich war und mich bloed gefuehlt hab, aber seit Donnerstag funktioniert es irgendwie wie am Schnuerrchen, der Schalter ich umgelegt, und ich hab verdammt viel Spass. Mein Team ist toll, ich finds gut fuer ne gute Sache zu arbeiten, und vor allem ist es witzig den ganzen Tag Leute anzulaecheln, sich mit ihnen zu unterhalten, und sie irgendwie von unserer Sache zu ueberzeugen. Und wie gesagt, ich werd besser, so dass es sogar belohnend ist.

Ansonsten ist die Woche nicht so viel passiert, abends meist in der Jugendherberge wo wir untergebracht sind, und weiter ein bisschen die Stadt erkundet. Naechste Woche sind wir statt in einem Einkaufszentrum auf der Strasse und werben dort, man darf gespannt sein.

Liebe Gruesse in den Schnee
Alex