Hallo alle,
der erste Teil meines Trips suedwaerts ist vollbracht, und ich dachte ich stoppe fuer einen Moment und lasse euch mal wieder teilhaben an all den Wunderlichkeiten die Australien so bereithaelt. Ausserdem regnet es mal wieder (was fuer ein bescheuertes Jahr!), hab also Zeit. Sind seeeehr viele Fotos diesmal.
Mein Trip in die Wildnis begann Mittwoch, nach schwerem Abschied von Brisbane gings zunaechst ins Hinterland, Nationalparks gucken, Wasserfaelle bestaunen, Regenwaelder erkunden, nur ich und mein Auto. Der erste Tag verlief relativ ruhig, viel Wald und Wasser und tolle Aussichten. Absolutes Highlight: Eine Gluehwuermchenhoehle! Ich hatte noch nie Gluehwuermchen gesehen, also hab ich es auf mich genommen nachts im Regen durch einen dunklen Wald zu stapfen (gibt ja keine Woelfe hier). Taschenlampe ging nach 5min floeten, also im stockdustern weiter. Bereits auf dem Weg zur Hoehle war alles voll mit blauen Puenktchen, die ueber der Wald verteilt waren. In der Hoehle angekommen dann Mund auf und staunen: Als waere man von einem zweiten Sternenhimmel ueberspannt, Millionen von winzigen blaugruenen Leuchtkugeln die an der Decke haengen! Einfach nur maerchenhaft, Wasserfallrauschen im Hintergrund und dann das:
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| Gluehwuermchen! |
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| Macht mal Fotos von sowas Kleinem im Dunkeln! |
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| Die sind nicht wirklich Wuermer, sondern Fliegenlarven, die klebrige Faeden aufhaengen und dann mit dem Hintern leuchten um ihre Opfer zu sich zu locken... Kenn einige Frauen die eine aehnliche Taktik verfolgen |
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| Sinnbild fuer Australien, endlose Wildnis und im Hintergrund ein bisschen Zivilisation an die Kueste gequetscht |
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| 2000 Jahre alte antarktische Birken... ja, wirklich antarktisch, die gibt's nur hier und dort, war mal ein Kontinent. |
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| Mt. Warning |
Das letzte Bild zeigt schon mein Ziel fuer den naechsten morgen: Mount Warning, sowas wie der Olymp der Aboriginies, ihr heiliger Berg. Werd mal erklaeren wie so ein Berg zu einem heiligen Berg wird:
1. Mt. Warning ist der erste Punkt Australiens den die Sonne jeden Morgen beruehrt. Verbindung mit der Sonne ist immer gut wenns ums Heiligsein geht, und fuehrte dazu dass ich den grausamen Plan faste morgens um 4 Uhr loszumaschieren um zum Sonnenaufgang oben zu sein. Hat nicht geklappt, verschlafen, war trotzdem um 5 Uhr auf dem Weg.
2. Mt. Warning ist mit Regenwald bedeckt und verdammt schwer zu besteigen. Frueher hat so ein Aufstieg drei Tage gedauert. Angeblich. Heute ist man in anderthalb Stunden oben. Trotzdem echt anstrengend.
Vor allem das letzte und heiligste Stueck ist verdammt steil:
3. Oh, hoch muss der Berg sein (1200m):
4. Wenn man dann oben angekommen ist, erkennt man schliesslich, was der Hauptgrund fuer die Heiligkeit ist: Mystik. Wie der Olymp ist Mt. Warning konstant in Wolken gehuellt (weshalb es auch garnicht so schlimm war, dass ich nicht so frueh aufgestanden bin, haette eh nix gesehen). Wenn man dann oben in der Wolke steht kann man die Aboriginies fast verstehen, alles ist weiss, keine Geraeusche ausser dem Rauschen der Baeume (mit genug psychoaktiven Substanzen klingen die sicher wie Stimmen) und einiger Voegel, die Sonne bringt das ganze zum Leuchten, es ist kalt und feucht, da haette ich auch Angst bekommen.
Zum Glueck klarte es dann aber noch auf und machte den ganzen Aufstiegsstress mehr als wett:
Und am Ende erschien mir sogar noch eine Gottheit in Form eines Truthahns und befahl mir, Fruehstueck zu haben.
Rest des Tages dann faul am Strand verbracht (hab ich mir auch verdient), Surfboard gekauft (endlich kann ich ueben) und rumgehangen. Ab dem naechsten Tag dann eine grosse Folge von Nationalparks und Aussichtspunkten und Straenden, werde der Einfachheit halber (und weil sich doch alles ein bisschen gleicht) nur ein paar Bilder hochladen. Ziel ist es, einfach mal die Vielfalt dieses Kontinents zu zeigen: waehrend man in Europa endlose Strecken reisen kann ohne dass sich die Landschaft gross veraendert (Eiszeit sei dank), wechselt man hier innerhalb von 50km von Regenwald zu trockenem Buschland zu englisch anmutenden Huegelketten zu Salzwassersuempfen und Mangrovenwaeldern und ploetzlich ist man auch schon wieder am Strand:
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| Sonnenaufgang ueber Byron Bay |
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| Es gibt kaum etwas Frustrierenderes als morgens um 5Uhr aufzustehen um den Sonnenaufgang zu sehen und dann ist es bewoelkt |
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| Leuchtturm Byron Bay |
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| Jeder geniesst die Aussicht |
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| Buschland |
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| So sieht die ganze Kueste aus! |
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| Bildunterschrift hinzufügen |
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| Krabbe |
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| Endlose Weiten |
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| Nicht jeder haelt so gut durch wie mein treues Autolein |
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| Salzwassersumpf |
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| Wie oft fotografiert man ausversehen einen Schmetterling? |
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| Die Gegend heisst passenderweise Neuengland |
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| Die Waelder sehen ein bisschen anders aus... |
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| ...und das Wetter ist besser... |
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| ...aber ansonsten ist es doch sehr britisch |
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| Rotkopf-Pademelon (auch ein Beuteltier, aber kein Kaenguruh) |
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| Und wieder schlechtes Wetter... |
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| So wohnt man in Australien |
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| Port Macquarie, frueher Gefaengnis fuer die schwersten Verbrecher... |
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| heute Urlauberparadis |
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| Damals: Barracken; heute: Wohnwagen... sieht genauso aus, nur heute bezahlt man Geld |
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| Bei dem Ausblick wuerd ich mich auch hierher deportieren lassen. Irgendwie netter als Sibirien |
Wenn ich nicht gerade rumwander lern ich immernoch fleissig die Gitarre und Surfen. Bestes Erlebnis der letzten Tage: beim morgendlichen Surfen in irgendeinem verschlafenen Kaff, ich verzweifelt dabei nicht von meterhohen Wellen erschlagen zu werden, alles still, ploetzlich schiessen zwischen den Surfern drei Delfine herum, reiten die Wellen, tauchen und springen. Die Einheimischen haben nichtmal hingeguckt, die schienen das zu kennen, aber ich war so ueberwaeltigt und durcheinander dass die naechste Welle mich voellig zerschossen hat. Als ich nach Ewigkeiten wieder an der Oberflaeche war, waren die Delfine weg, und auch verzweifeltes Warten hat sie nicht wiedergebracht. Aber definitiv ein unbeschreibliches Ereignis!
Bis zum naechsten Eintrag
Euer Alex